Die Flucht der Alchemisten

Eine Jagd durch Jahrhunderte voller Sagen, Mythen & Legenden

Ob Wanderer oder Geocacher, kommt mit auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art!

So funktioniert’s:

Wanderer und Schnitzeljäger finden unter jedem Kapitel entsprechende Wegbeschreibungen zu den Schauplätzen der Geschichte (auch in der Tourist-Info des Landkreises erhältlich), Geocacher erhalten die Koordinaten zum jeweiligen Cache. Die Kartenausschnitte vor jedem Kapitel zeigen die Startpunkte.

Alle erfolgreichen Abenteurer erhalten ein kleines Gewinnpaket, die ersten 15 zudem eine weitere besondere Überraschung!

„Die Flucht der Alchemisten“ ist der Titel einer Geschichte, die bekannte Sagen und Legenden des Landkreises Saarlouis hautnah erlebbar macht. Kommt mit auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art und erlebt die Abenteuer von Clemens du Feu und seiner Geliebten Amalia.

Clemens und Amalia sind Wissenschaftler und haben die Formel zur Unsterblichkeit entschlüsselt. Doch der böse Fürst Maldix erfährt von ihrem Erfolg und macht Jagd auf die beiden, begierig, ihr Wissen zu stehlen und für seine Zwecke zu nutzen. Clemens und Amalia sind gezwungen zu fliehen, um zu überleben…

Auf ihrer Flucht beschließen sie schließlich, das Unsterblichkeitselixier einzunehmen und ihre Flucht getrennt voneinander fortzusetzen, um sich 200 Jahre später, lange nach dem Ableben des bösen Fürsten, an gleicher Stelle wieder zu treffen.

200 Jahre später kehrt Clemens zurück und stellt fest, dass Amalia nicht da ist. Maldix hat seinerzeit ihre Fährte aufgespürt und war ihr dicht auf den Fersen. Auf ihrer Flucht hinterlässt Sie Clemens kleine Botschaften und Hinweise auf ihren nächsten Aufenthaltsort. Clemens macht sich auf den Weg, seine Geliebte wiederzufinden…

Vorgeschichte

Zellen, unendlich viele. Nerven, Verbindungen, elektrische Impulse, und so viele Zellen – unendlich viele Zellen. All das macht einen menschlichen Körper aus. Biologisch gesehen ist es egal, ob wir dreist oder edelmütig sind, es spielt keine Rolle, ob wir uns entschließen werden das Richtige oder das Falsche zu tun. Welchen Charakter wir entwickeln, das ist egal. Was zählt, das sind die Zellen. In ihnen steckt was uns tötet – oder unsterblich macht.

Das musste ich feststellen, auf schmerzhafte Weise erfahren. Es ist ungerecht das menschliche Leben, aber es ist das einzige, das wir haben. Ob Priester oder Dieb, König oder Bauer, Mann oder Frau, sie alle haben eins gemeinsam: sie sterben. Das ist ihnen gemeinsam und das ist es, was mich von ihnen unterscheidet. Ich sterbe nie.

Früher nannte man das Alchemie, heute Biogerontologie. Wie man mich, der diese Kunst einst betrieb, heute nennen würde, das weiß ich nicht. Denn niemand kennt mein Geheimnis. Ich muss es schützen, ich muss mich schützen, mein Wissen ist zu kostbar, meine Tarnung zu teuer.

Ich habe das Mittel zur Unsterblichkeit gefunden, den Stein der Weisen, das ewige Leben, das Göttliche in uns allen.

Seitdem wandle ich durch die Zeiten als Zeitzeuge jeglicher Veränderung. Jahrzehnte sind für mich nur Trends. Könige, Kaiser, Fürsten, Diktatoren, Kanzler, Politiker jeden Ranges – ich habe sie alle erlebt. Ich habe Geschichte gesehen wie sie gemacht wurde, Revolutionen wie sie entstanden, Frieden, den man lebte und Krieg, den man führte. Ich habe alles gesehen – viel mehr als ihr zu fassen vermögt, viel mehr als ich zu berichten vermag.

Doch wer hat all die Reiche gegründet, die Kriege geführt, die Revolutionen gefochten, die Frieden geschlossen? Alles waren die Zellen. Ohne sie wären wir nichts. Ohne sie wären wir geschichtslos, gegenwartslos, zukunftslos.

Sie sind die Schale für unseren Charakter, unseren Geist, unser Bewusstsein. Sie machen uns erst möglich. Und auch wenn ich mir bewusst bin – gerade ich sollte es doch wissen – dass ich nichts anderes bin als Biologie, so zieht es mich doch wieder an diesen Ort, den Ort, an dem alles begann. Den Ort, an dem alles enden wird. Den Ort, an dem ich unsterblich werden sollte.

Kapitel 1 | So soll es beginnen…

Überherrn-Berus

Es war sternenklar, eigentlich zu hell für unsere Angst. Der Mond schien uns zu verfolgen, eine Erinnerung daran, dass wir auf der Flucht waren, Gesuchte, Verzweifelte. Ich hielt die Hand meiner Frau. Seit 30 Jahren waren wir an der Seite des anderen. Sind gemeinsam aufgewachsen, haben zusammen gearbeitet. Beide Alchemisten, beide „Magier“, beide Wissenschaftler auf der Suche nach den Geheimnissen der Natur. Gemeinsam konnten wir der Natur ihr größtes Geheimnis entlocken. Zehn Jahre haben wir gerätselt, geforscht und entschlüsselt. Wir haben unser Leben investiert in den wissenschaftlichen Durchbruch. Hätte ich gewusst, welche Konsequenzen unsere Entdeckung haben würde, ich hätte der Wissenschaft abgeschworen. Doch nun ist es zu spät. Amalia und ich, wir haben das Mittel zur Unsterblichkeit gefunden und nun müssen wir dafür teuer bezahlen.

Vielleicht waren wir zu naiv. Wir forschten der Wissenschaft wegen, nicht wegen Ruhm, Reichtum oder Macht. Das Mittel zur Unsterblichkeit sollte Leben retten – doch nun war es dabei die unseren zu zerstören.

Als bekannt wurde, dass meine Frau und ich den Schlüssel zum ewigen Leben gefunden hatten, weckte dies Begehrlichkeiten. Es war Fürst Maldix, der Gesandte schickte. Sie sollten uns erst mit Gold, dann mit Gewalt davon überzeugen, ihm das Unsterblichkeitselixier zu geben. Doch wir sagten ihm, wir würden es ihm nicht geben, für kein Gold der Welt und nicht solange wir lebten. Denn Maldix war ein grausamer Herrscher, er hielt seine Untertanen in Armut und Angst. Er und seine Söhne brandschatzten, mordeten und plünderten; keine Macht der Welt schien sie zurückhalten zu können. Ihm die Macht der Unsterblichkeit zu geben würde für alle Zeit einen Fluch auf die Menschen legen.

Als er zum letzten Mal seine Reiter schickte, finstere Männer mit Hass in den Augen, gaben sie uns noch einen allerletzten Tag Bedenkzeit. Im Morgengrauen würden sie wiederkehren und sich nehmen, was dem Fürst zustehe.

Es blieb keine andere Wahl, Amalia und ich mussten fliehen. Hastig packten wir unsere Aufzeichnungen und ein wenig von dem, was wir über die Jahre angesammelt hatten. Es blieb uns nicht viel Zeit; in der Nacht begannen wir unsere verzweifelte Flucht.

Wir durchstreiften Felder und Wälder, wir mieden die Dörfer – immer in der Angst, Maldix‘ Häscher würden uns finden. Manchmal sahen wir sie in der Ferne vorbeireiten, dunkle Pferde im hellen Mondlicht, grausige Reiter des Todes.

Wie wir es hierher schafften – ich weiß es nicht mehr. Schon seit einer Ewigkeit halte ich Amalias Hand und will sie nicht loslassen. Wir haben eine Entscheidung getroffen: wir würden das Unsterblichkeitselixier einnehmen, würden auf seine Wirkung hoffen und uns trennen, denn gemeinsam würde man uns zu schnell finden.

Der Trank schmeckte bitter. Vielleicht war es auch die Endgültigkeit der Entscheidung getrennt voneinander zu fliehen. Sie würde nach Osten gehen, ich nach Westen. Später würde hier eine Grenze zwischen zwei Ländern gezogen – es erscheint mir immer noch ironisch. Hinweise würde meine Gefährtin hinterlassen, sodass wir uns wiederfinden können, wenn Maldix‘ Herrschaft und die seiner Söhne und Enkelsöhne vorbei war. Es blieb nichts bis auf einen Kuss und das Gebet ihre Flucht würde erfolgreich sein, die Hoffnung meine wäre es auch und das Versprechen zu halten, dass wir uns wiedersehen würden – in 200 Jahren.


200 Jahre später

Unser Elixier hat uns wahrhaftig Unsterblichkeit geschenkt. 200 Jahre lang bin ich geflohen, 200 Jahre, in denen ich die Sekunden zählte, bis ich mich endlich auf die Suche nach ihr begeben konnte. Nun war ich wieder hier, an diesem verfluchten Ort, wieder in einer mondhellen Nacht. Doch dieses Mal nicht als Flüchtender, nicht um mich zu entfernen von dem was ich liebe, sondern um es wieder zu finden. Einen Hinweis hat sie mir hinterlassen an der Stelle, an der wir uns trennten: ein Fläschchen wie das, das unser Elixier enthielt.

Die Notiz lautet:

Mein Liebster,

mein Herz schlägt immer noch schneller wenn ich daran denke, wie knapp ich den Häschern entkommen bin. Zwei Tage habe ich mich im Kreidesteinbruch verstecken können; halb verhungert und starr vor Angst hat mich eine weise Frau gefunden, Oranna ist ihr Name. Sie umgab eine Aura der Gnade. Sie erzählte mir, ich könne Zuflucht in einem Kloster finden, dessen findige Mönche bekannt wären dafür, Wege zueinander zu finden. Sie seien auf der Seite der Verfolgten. Ich mache mich nun auf den Weg.

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

 

Nun denn, so soll es beginnen …

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Am Europa-Denkmal, Orannastraße, 66802 Überherrn-Berus

Vom Wanderparkplatz der Beruser Tafeltour folgt ihr dem Weg einige Zeit lang, bis ihr den Kalksteinbruch und – kurz dahinter – das Wegekreuz an der deutsch-französischen Grenze erreicht.

Was ist das Besondere am Wegekreuz?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 2 & 3 | Mönche & Jäger

Wadgassen & Bous

Ein reges Treiben herrschte, als ich in Wadgassen ankam. Es war heller Tag, aber noch so früh, dass die Sonne ihre Strahlen erst mit milder Wärme schickte. Mönche arbeiteten im Garten des Klosters, andere unterrichteten oder saßen gebückt über ledergebundenen Büchern. Als erster erblickte mich ein Mönch mit einem runden, freundlichen Gesicht. Als Baldur stellte er sich vor, er sei der Hospitarius des Klosters, zuständig für die Pilgerunterkünfte. Er fragte mich, ob ich eine Bleibe begehrte. Ich sah ihn an und überlegte, wie ich mein Anliegen wohl formulieren sollte. Schließlich suchte ich nach meiner Frau, die – unsterblich – vor 200 Jahren hier durchgekommen sein musste. Mein Schweigen schien ihm Sorgen zu bereiten. Er deutete zu einem jüngeren Mönch, der sofort herbeigeeilt kam: „Novize, bring diesem Pilger ein Stück Brot und einen Schluck Wein, zeig ihm eine bequeme Kammer, sodass er sich ausruhen kann.“ Bevor ich ihm noch sagen konnte, dass dies nicht nötig sei, geleitete mich der freundliche junge Mönch schon in das Gasthaus des Klosters. Er zeigte mir meine Kammer und brachte mir wenig später Brot und Wein. Ich dankte ihm und bat ihn, erneut mit dem Hospitarius sprechen zu können. Er nickte und ging fort, um ihn zu holen. Wenig später setzte sich der Hospitarius zu mir.

„Esst und trinkt, werter Pilger. Ihr seht aus, als würdet Ihr die Last einer Ewigkeit mit euch herumtragen!“

Wie Recht er doch hatte; ich vermochte nicht ihm die Wahrheit zu sagen.

„Werter Herr Mönch, ich suche eine Frau, deren Geschichte die meine ist, sie kam vor 200 Jahren und suchte Zuflucht in diesem Kloster. Eine Frau namens Oranna hat sie zu euch geschickt; gibt es Aufzeichnungen über ihren Aufenthalt hier?“

„Ein gar ungewöhnliches Anliegen, werter Freund, vor zwei Jahrhunderten sagtet Ihr? Nun, niemand kann sich daran erinnern, aber ich werde den Bibliothekar des Klosters fragen; er verwaltet die Akten, er wird es herausfinden können.“

Bevor ich Luft holen konnte, um mit einer Bitte anzusetzen, unterbrach er mich: „Wie ich merke, brennt Euch diese Sache auf der Seele. Esst zu Ende und dann werden wir gemeinsam in die Bibliothek gehen.“

Ich aß mein Brot so schnell es ging ohne gierig zu wirken, und wir gingen zum Bibliothekar. Er war ein kleiner Mann mit verkniffenen Augen – sicherlich von Jahrzehnten des Studiums von bedeutenden Werken und Schriften in der Nacht und am Tage – der meinem Wunsch aufmerksam lauschte. Nachdem ich wiederholt hatte, was ich dem Hospitarius bereits sagte, schwieg er für eine lange Zeit.

„Ein seltsames Anliegen, das Ihr da habt. Doch führt Euch scheinbar etwas her, was größer ist als ich, und so soll es nicht an mir sein Euer Begehr zu bewerten. Es gibt eine Notiz von einem der ehemaligen Äbte des Klosters aus jener Zeit: er schreibt von einer Frau, die von der Heiligen Oranna zu uns geschickt wurde. Es muss hier drüben sein…“.

Der Mönch ging zu einem deckenhohen Regal an der linken Seite des Raumes. Dort quollen ledergebundene Mappen mit vergilbten Blättern aus den Etagen.

„Hier ist es. Als sie zu uns kam sagte sie wohl nicht viel, nur dass sie Zuflucht suche und dass sie bald wieder weiterziehen müsse. Der Zellarius vermerkte, dass sie nicht viel aß, gerade einmal …“. Er stockte. „Das ist verwunderlich, hier endet die Notiz. Es steht nichts weiter geschrieben, außer dass sie fliehen musste und dazu dem Gold folgte. Ich weiß leider nicht, was das bedeuten soll.“

Bedauernd schüttelte er den Kopf und auch der Hospitarius zog seine Schultern in die Höhe. „Es tut mir leid, werter Pilger, mir ist nicht bekannt, was es heißen sollte.“

Ich dankte ihnen und erbat mir Zeit um Nachzudenken. Im Klostergarten ließ ich mich auf einer Bank nieder und dachte nach. Eine lange Zeit muss ich dort gesessen haben; es wurde schon dunkel als sich der Abt des Klosters zu mir setzte.

„Meine Brüder haben mir von Dir erzählt. Du suchst die Frau, die die Heilige Oranna schickte und die dem Gold folgte als sie floh.“

Ich nickte müde. Amalia war immer die Mutige gewesen, sie war der Optimist von uns beiden. Ich durfte mich nun nicht entmutigen lassen, selbst wenn schmerzlich ungewiss war, ob die Frau, die ich liebe, tatsächlich noch lebte.

Der Abt merkte, dass ich tief in Gedanken war. Freundlich lächelnd klopfte er auf seinen rundlichen Bauch. „Weißt du Pilger, ich fühle, wir können Dir trauen. Die, die Du suchst, hielt sich am liebsten bei den Heilkräutern auf. Sie kannte sich gut aus, pflanzte einige an und sagte immer, sie vermögen fast alles zu heilen.“ Mit einem letzten sanften Lächeln ließ er mich alleine im Klostergarten zurück.

Ich beschloss mir die Ecke mit den Heilkräutern näher anzusehen. Neben Salbei und Bibernelle stand eine weißblühende Wegwarte. Die Wegwarte war eine der Lieblingsblumen meiner Frau, ihre heilende Wirkung für den Magen nicht zu unterschätzen. Doch normalerweise blühte sie blau, eine weiße hatte ich erst einmal zuvor gesehen, so selten war sie. Als ich mich zu ihr runterbeugte, sah ich versteckt unter dem seltenen Gewächs ein ebensolches Fläschchen, wie sie es mir in Überherrn hinterlassen hatte.

Darin eine Notiz:

Mein Liebster,

die Mönche haben mich aufgenommen wie einen jeden Pilger, doch die Angst konnten Sie mir nicht nehmen. Wenn es Nacht wird, spüre ich immer noch den Atem der Pferde des Fürsten Maldix kalt in meinem Nacken. Ich werde weiterziehen müssen. Doch da sie die Brücke bewachen, haben mir die Mönche einen geheimen Tunnel gezeigt. Dieser wird mich hoffentlich unter der Saar hindurchführen, in das Haus des Jägers.

Mein Herz ist schwer, wenn ich daran denke, Dich schon so lange vermissen zu müssen. Ich hoffe, es geht Dir gut.

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Am Zeitungsmuseum, Am Abteihof, 66787 Wadgassen

Oberirdisch verfolgt ihr den Verlauf des besagten Tunnels zwischen Abtei (Wadgassen) und Jägerhaus (Bous), der einst unter der Saar durchführte. Heute sind Kloster und Jägerhaus durch eine Brücke miteinander verbunden. Am Jägerhaus angekommen bewegt ihr euch rechter Hand an der Straße entlang, bis ihr – einige hundert Meter später – auf der linken Seite der Straße die sogenannte Pilgerwalze erblickt. Rechts hinter der Pilgerwalze findet ihr einen Weg, der links am Seniorenhaus vorbei in ein kleines Wäldchen führt – in das einstige Jagdgebiet des Jägers der Abtei.

In der Nähe der Straße links neben dem Seniorenhaus befindet sich ein Schild, auf dem von einem ganz bestimmten Weg die Rede ist. Wie lautet der Name des Weges?
Weg der …

Ich bin Geocacher

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Kapitel 4 | Das weiße Pferd

Ensdorf

Ein Schloss konnte ich beim besten Willen nicht finden. Ensdorf war eine Bergbaugemeinde. Harte Arbeit und hart arbeitende Menschen. Aber ein Schloss? Wenn ich mich danach erkundigte, erntete ich belustigte Blicke und Schulterzucken. Mir wurde klar, dass ich das Schloss so nicht finden würde. Ich musste mir einen Überblick über die gesamte Gemeinde verschaffen. Vom Boden war dies keinesfalls möglich, ich musste nach oben. In der Abendsonne schimmerte die Bergehalde in Schwarz und Silber. Sie schien mir der geeignete Ort zu sein. Vorsichtig stieg ich den schwarzen Berg hinauf, immer in der Angst meinen Halt zu verlieren und in die Tiefe zu rutschen. Steine jeglicher Form rutschten unter meinen Sohlen und glitten in die Tiefe. Scharfkantige, rechteckige und runde abgeflachte. Sie waren so unterschiedlich wie die Menschen im Dorf. Nur eins war ihn allen gemein: trotz ihres tiefen Schwarztones glänzten sie im Sonnenlicht. Ich sah nach oben und schätzte ab, wie weit ich bereits gekommen war. Zumindest bis zur Hälfte der Halde würde ich gehen müssen, um weit genug sehen zu können. Ich war besorgt, dass man mich entdecken würde. Natürlich war es verboten, das Gelände zu betreten; die Halde war noch aktiv. Menschen und Maschinen standen in einem unermüdlichen Wettbewerb die Halde zu vergrößern, die Schätze aus dem Erdinneren ans Tageslicht zu bringen und den entstehenden Schutt aus dem Weg zu räumen. Harte Arbeit in tiefer Dunkelheit weit unter meinen Füßen. Doch hier oben war kein Mensch zu sehen und ich nutzte die Chance.

Während die Sonne sich zu senken begann, stieg ich immer weiter empor. Alleine bis auf meinen immer schwerer werdenden Atem und das sanfte Flüstern der Steine, die, durch meine Schritte ausgelöst, übereinander die Halde hinunterglitten. Ich dachte an Krähen. Nicht nur wegen der Farbe ihres Gefieders, sondern auch wegen der Art, wie ihre Flügel klangen, wenn sie sich in die Lüfte hoben. Dieses flüsternde Rascheln kurz bevor die Krähe ihren Schrei ausstößt, so klang es den Steinen zuzuhören.

Tief in Gedanken erreichte ich ein Plateau. Von hier aus konnte ich die Gemeinde gut überblicken. Direkt vor mir glitzerte die Saar in der schwachen Abendsonne, die Aue als grünes Band dahinter und in Ensdorf selbst zwei kleine Flüsse, die sanft in die Saar einmündeten. Doch ein Schloss konnte ich nicht ausmachen. Erschöpft ließ ich mich nieder. Ich würde kurz verschnaufen und einen Weg finden, dieses Schloss ausfindig zu machen.


 

Hufgetrampel. Hufgetrampel und das Wiehern eines Pferdes. Doch so entfernt, als würde der Wind das Geräusch forttragen bevor es überhaupt entstehen konnte. Ich schlug meine Augen auf. Ich musste eingeschlafen sein. Und dieses geisterhafte Geräusch hatte mich geweckt. Am Fuß der Halde stand ein Pferd im hellen Mondschein. Schneeweiß mit strahlendem Fell – so als hätten der Mond und die schwarze Halde eine Abmachung getroffen, dieses Pferd gemeinsam zu erschaffen. Seine Mähne wehte im Wind, doch hier oben spürte ich kein Lüftchen. Es sah mich an und schnaubte. Dann stieg es, stand kurz auf seinen Hinterbeinen, bevor es in einer unglaublichen Geschwindigkeit begann, einen unsichtbaren Parcours abzureiten. Kreuz und quer die Halde hoch, die Halde wieder runter. Immer wieder schlug es Winkel in dieser wahnsinnigen Geschwindigkeit. Es ritt so schnell, dass es schien, als würde es mit dem Mondlicht eins werden. Bis es noch schneller ritt und es war, als würden seine Bewegungen das Mondlicht hinter sich herziehen. Langsam erkannte ich ein Muster. Rechtecke, dazwischen mal ein Halbrund. Ein großes Areal, aber immer im selben Muster. Plötzlich begriff ich. Das Pferd ritt die Umrisse des Schlosses ab, das ich nicht finden konnte. Es muss vor Jahrhunderten an dieser Stelle gestanden haben, tief unter dem, was nun der Bergbau verdeckte. Mir entfuhr ein „Ah!“, als ich endlich die Verbindung verstand. Dies brachte das Pferd zu einem abrupten Halt. Es drehte seinen Kopf zu mir und kam langsam auf mich zu. Es bewegte sich anmutig und senkte seinen Kopf wie als Einladung. Als es direkt vor mir stand, erkannte ich, dass es größer war als normale Pferde, und dass es von einem hellen Schimmer umgeben war. Ich streckte meine Hand aus, um es zu streicheln. Es beugte sich zu mir und schnaubte freundlich. Da bemerkte ich, dass es einen Sattel trug. Ich streichelte seinen Hals und versuchte auf seinen Rücken zu schauen. Irgendetwas stand auf dem Sattel geschrieben. Von hier aus konnte ich es nicht erkennen, das Pferd war übernatürlich groß. Ich stieg vorsichtig auf und wollte gerade zu lesen beginnen, als das Pferd in furchtbarem Tempo losritt. Meine Hände umklammerten panisch den Sattel, ich hielt mich fest, als hinge ich an meinem Leben. Auf und ab ritten wir, stürmten das gleiche Muster entlang, welches das Pferd eben geritten war und scheinbar bereits seit Jahrhunderten abreitet. Ich krallte mich an seinem Hals fest und legte meinen Kopf auf seine Mähne. „Oh bitte“, flehte ich, „ich will doch nur meine Frau wiederfinden.“ Und so plötzlich wie es losgeritten war, hielt es an. Als ich bemerkte, dass es still innehielt, war ich zunächst nicht sicher, ob es nur ein Trick war. Doch das Pferd stand ruhig im Mondlicht und schien zu warten. Ich setzte mich aufrecht hin, ich musste die Chance nutzen, die Inschrift auf dem Sattel zu lesen, solange es ging. Ganz oben stand in goldenen Lettern „corda munda nihil timent et nihil timebunt“, also „die, die reinen Herzens sind, fürchten nichts und werden nichts fürchten“. Das war also das Geheimnis des Pferdes. Wer es reiten wollte um es zu bezwingen und sich damit zu brüsten, den würde es mitnehmen auf einen Höllenritt. Die mit reinem Herzen aber, die würde es sanft tragen wie ein treuer Gefährte. Unter der Inschrift waren Namen und die Tätigkeit der Menschen, mit der sie ihren Lebensunterhalt bestritten, angegeben – nur vier. Die ersten drei sagten mir nichts, aber beim letzten begann mein Herz zu schlagen. Amalia du Feu, Alchemistin, stand dort im Leder. Sie hatte auch auf diesem Pferd gesessen. Als ich mit meinem Zeigefinger über ihren Namen fuhr, bemerkte ich, dass ein dünnes Lederband am Knauf des Sattels befestigt war. Ich fuhr am Lederband entlang und zog vorsichtig daran, als es unter dem Sattel verschwand. Zum Vorschein kam ein kleines Fläschchen. Unter mir schnaubte das weiße Pferd, so als würde es mir gratulieren.

 

Mein Liebster,

immer noch zittern meine Hände, gerade hat dieses Pferd angehalten. Ich wollte doch nur lesen was auf seinem Sattel stand. Doch als es wenig später anhielt, verstand ich, dass es nur ein Test war, eine Probe, ob ich aus Selbstherrlichkeit oder Forscherdrang aufgestiegen war. Nicht viele haben das Pferd vor mir geritten, nur diejenigen, die reinen Herzens waren. Ich werde mich aufmachen den letzten Reiter vor mir zu finden – einen Müller namens Hoffmann, vielleicht bietet mir sein reines Herz Zuflucht. Ich vermisse Dich unendlich.

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

 

Als ich vom weißen Pferd abstieg, erschien im Mondschein wie von Zauberhand ein neuer Name auf dem Sattel: Clemens du Feu, Alchemist.

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: An der Sportanlage, Im Sportzentrum, 66806 Ensdorf

Vom Parkplatz „Im Sportzentrum“ ausgehend wandert ihr den einfachen Weg entlang des Südhangs der Halde Richtung Gipfel, bis ihr eine Bank vor einem größeren eingezäunten Bereich erreicht.

Was befindet sich innerhalb des eingezäunten Bereichs?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 5 | Der mutige Müller

Schwalbach-Elm

„Hoffmann, Müller“ hatte auf dem Sattel des Pferdes gestanden. Im Sprenger Bachtal standen in der Zeit unserer Flucht zahlreiche Mühlen. Wenn ich einen Müller suchte, dann würde ich seine Spuren hier finden.

Sanft plätscherte das Wasser am Ufer des ersten Sees. Von hier aus sah ich noch einige Seen mehr, manche näher, manche ferner. In der Sonne glitzerte ihre Oberfläche einladend. Vielleicht würde ein Grenzstein den Hinweis auf den See des Müllers Hoffmann geben, oder eine Inschrift. Denn so wie ich es vorfand, war das Tal leer, die Mühlen schon lange nicht mehr existent. Doch was noch existierte war die Legende vom wehrhaften Müller Hoffmann, der einst die Söldner des Generals Katz von Scharfenstein mit einer Bratpfanne in die Flucht schlug. Trotz seines Kampfes raubten die Söldner alles und brannten danach das Tal nieder. Doch vielleicht würden noch Überreste der Mühle existieren und sich dort ein Hinweis auf den Müller oder meine Amalia verstecken.

Ich folgte dem Bach von Weiher zu Weiher, an keinem konnte ich eine Mühle oder deren Überreste erkennen. Die Mühle, so sagte man mir, sei vor sehr langer Zeit bereits niedergebrannt worden, ihre Reste würden am Grund des Weihers liegen. Doch in keinem der Weiher hatte ich bisher irgendwelche Reste erkennen können. Zugegeben, ich konnte nicht bis tief in die Weiher sehen. Vielleicht konnte ich mir etwas bauen, mit dem ich den Grund der Weiher genauer inspizieren konnte. Hier müsste es doch …

….

Und es wurde dunkel.

….

Als ich wieder zu mir kam saß ich an einen Baum gelehnt im Wald und mein Kopf schmerzte höllisch. Vor mir stand ein kräftiger Mann mit großen Händen und starken Augenbrauen. Mit verschränkten Armen musterte er mich feindlich.

Panisch sah ich ihn an, immer wieder verschwamm seine Silhouette vor meinen Augen. Ich war gefesselt und geknebelt. Meine Augen weiteten sich immer mehr, ich hatte Angst. An welchen Wahnsinnigen war ich hier geraten, und wer war er überhaupt. Was wollte er? Ich schüttelte meinen Kopf hektisch und versuchte einen sinnvollen Satz herauszubekommen, was durch den Knebel in meinem Mund unmöglich war.

„Wer seid Ihr? Was wollt Ihr? Was macht Ihr an diesem Weiher?“ fragte er mit unterdrücktem Zorn bevor er zu mir kam und seinen rechten Zeigefinger hob. „Nur antworten, nicht schreien!“ befahl er mir. Ich tat lieber was er sagte, bis ich wusste, was zum Teufel hier los war.

„Ich bin Clemens du Feu, ich suche eine Mühle, die hier vor langer Zeit gestanden haben muss, die Mühle des Müllers Hoffmann, und weil ich weiß, dass sie zerstört wurde, habe ich versucht, Überreste am Grund der Weiher zu erkennen. Ich wollte keinem etwas Böses, ich bin nur auf der Suche, bitte, ich weiß nicht, wer Ihr seid, aber ich schwöre, ich will niemandem schaden, ich…“

„Genug!“, polterte er laut. Ich hielt meinen Mund – alles war besser als der Knebel.

Sein Blick war finster unter seinen dicken Augenbrauen. „Warum suchst Du die Mühle?“

„Der Müller Hoffmann hat jemandem vor einer Ewigkeit einen Gefallen getan und ich versuche die Spuren dieser Person zu verfolgen; es ist wichtig für mich zu erfahren, wo sie hingegangen ist. Ich hoffe Hinweise in den Überresten der Mühle zu finden.“

„Und,“ begann ich zu stammeln „bitte nicht wieder knebeln, ich werde nicht schreien, versprochen!“ Skeptisch zog er eine buschige Augenbraue hoch. Es schien, als müsse er dafür besonders viel Kraft aufwenden.

„Einverstanden, kein Knebel – solange Du machst was ich sage.“ Wenigstens etwas.

„Warum sucht Ihr diese Person? Wer ist es? Eine Frau nehme ich an, Ihr sagtet sie.“ Erschöpft atmete ich aus und sah nach oben, so weit ich es konnte. Über mir war es bereits Nacht geworden, Gott weiß, wo ich war. Ich war so müde. Ich würde ihm antworten, die ganze Wahrheit. Was hatte ich zu verlieren? Offensichtlich war der Mann verrückt, ihm konnte ich meine noch verrücktere Geschichte ruhig erzählen. Zwei Verrückte im Wald, dass es so enden würde … Oh Gott, wie ich Amalia vermisste.

„Die Wahrheit?“, fragte ich fast resigniert. Er nickte stumm und ernst. Er musste verrückt sein, wer entführt schon einfach einen Wanderer? Aber andererseits schien er mir zu ernsthaft, um sowas zu tun, und seine Augen waren auch nicht die eines Mannes, der seinen Verstand verloren hatte. Vielleicht war es aber auch nur der ungeheure Kopfschmerz, der mich nicht klar denken lassen wollte.

„Die Wahrheit ist, ich war Alchemist, meine Frau, die Frau die ich suche, ebenfalls. Wir haben das Rezept für die Unsterblichkeit gefunden. Weil wir es nicht einem grausamen Herrscher überlassen wollten, mussten wir fliehen. Für die Flucht haben wir uns getrennt, und ich habe ihr versprochen, dass ich sie wiederfinden würde. Ich folge ihr bereits seit längerem und weiß, dass sie die Hilfe des Müllers Hoffmann suchen wollte, da sein Name auf dem Sattel des weißen Pferdes von Schloss Tiefenbach zu lesen war, und dort sind nur diejenigen verewigt, die reinen Herzens sind.“

Er schwieg, sein Gesicht völlig regungslos. Ich überlegte mir, was ich gerade gesagt hatte. Ich war unsterblich und meine Frau auch, und ein Kerl hat ihr vor 200 Jahren geholfen und das weiß ich von einem magischen Pferd. Selbst für meine Ohren klang das wie Wahnsinn – und ich war dabei gewesen. Vielleicht konnte ich es auf die Kopfverletzung schieben, vielleicht würde er denken, er hätte mich ernsthaft verletzt. Vielleicht hatte er das auch und ich litt an einer Gehirnerschütterung, die verursachte, dass ich mir alles einbildete. Und in Wirklichkeit war ich Bauer oder Schmied und irgendwie in diese Lage gekommen. Ich begann ernsthaft zu zweifeln, während mein Kopf im Rhythmus meines Pulses heftig vor sich hin pochte.

Wenn ich nicht wüsste, was eine Ewigkeit wirklich ist, dann hätte ich gedacht, er hätte so lange geschwiegen. „Ihr wisst es nicht, oder?“, fragte er fast sanft. „Was?“ „Dass ihr nicht die einzigen seid.“ „Nicht die einzigen was?“. Das Pochen in meinem Kopf machte es beinahe unmöglich ihm zu folgen.

Er band mich los und setzte sich genau vor mich. „Ihr seid nicht die einzigen Unsterblichen. Es gibt andere.“ Ich begriff zunächst nicht was er meinte. „Wie?“ schien die einzige sinnvolle Frage zu sein, die mein dröhnender Kopf zustande brachte. Er lächelte, griff hinter sich und gab mir eine Flasche Wasser.

„Durch Fluch, durch Segen, durch Magie, es gibt viele Wege. Ihr habt euren gewählt, ich meinen. Ich bin der Müller Hoffmann“, nickte er mir zu.

Konnte ich ihm trauen? „Ihr seid unsterblich?“ Er nickte erneut. „Ihr seid der, der auf dem Pferd geritten ist?“ Er nickte und lächelte: „Wenn man unsterblich ist, dann langweilt man sich irgendwann. Wie ich dazu kam, weiß ich gar nicht mehr…“. Ich unterbrach ihn: „ Und meine Frau? Sagt bitte, Ihr habt ihr geholfen.“ „Natürlich! Beeindruckende Frau, wie hätte ich ihr nicht helfen können? Nun kenne ich eure Geschichte von beiden Seiten und ganz ehrlich, ich bin heilfroh, dass Ihr gekommen seid. Sie gab mir eine Nachricht für Euch.“ Er fasste unter seinen Hemdkragen. Zum Vorschein kam ein kleines Fläschchen an einer Kette. Lächelnd überreichte er es mir. „Ich hoffe, das macht das mit der Beule wieder gut“. Reflexartig fühlte ich an meinen Kopf. Dabei fiel mein Blick auf die Seite des Müllers. Neben ihm lag seine bevorzugte Waffe – eine Pfanne.

 

Mein Liebster,

der mutige Müller hat mich aufgenommen, sein Herz ist tatsächlich rein und vor allem groß. Doch Maldix scheint seine wilden Jäger durch die gesamte Region geschickt zu haben. Beim ersten Mal konnte der Müller sie noch vertreiben, doch ich bin mir nicht sicher, dass er auch beim nächsten Mal so erfolgreich sein wird. Ich muss weiter. In der Nähe gibt es wohl noch einen Schlag sehr mutiger Menschen, die schon Raubrittern die Stirn geboten haben. Ich werde mich auf den Weg machen und hoffen, sie werden mir helfen. Ich kann es kaum noch erwarten Dich wieder zu sehen.

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Hütte des Angelsportvereins Elm, Schachtstraße, 66773 Schwalbach-Elm

Der Parkplatz an der Hütte des Angelsportvereins liegt direkt am Weiher.

Nach welchem Fisch ist der hiesige Angelsportverein benannt?

Ich bin Geocacher

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Bitte denke daran, die Bonuszahl zu notieren.

Kapitel 6 | Die beherzte Magd

Saarwellingen

Zuversichtlich erreichte ich Saarwellingen. Mein Kopf fühlte sich zwar immer noch so an, als hätte jemand Pudding und Schießpulver gemischt und es mehrfach in meinem Schädel explodieren lassen, aber nach einem guten Frühstück mit selbstgebackenem „Versöhnungsbrot“ ging es mir wieder deutlich besser.

Es neigte sich deutlich gegen Mittag, als ich ein Gasthaus fand. Der Müller aus Elm hatte mir gesagt, hierher hätte er Amalia geschickt. Ich betrat das Gasthaus. Zu einer solch frühen Stunde hatten noch nicht viele den Weg hierher gefunden. Hinter der Theke stand eine alte Frau von kleiner Statur, auf ihrer Nase eine unglaublich große Brille, dahinter wache Augen. Sie lächelte mich freundlich an: „Guten Tag, was kann ich Ihnen bringen?“. Ich lächelte zurück. „Ein Frischgezapftes bitte.“ Eilig ging sie ans Werk. Über den Rand ihrer Brille betrachtete sie mich eindringlich. „Sie sind nicht von hier.“ „Nein, ich bin auf der Durchreise“, entgegnete ich freundlich. „Och, das ist noch lange nicht alles, das sehe ich“, lächelte sie. Der wissende Blick, den sie mir zuwarf, schien ihre Falten noch zu verstärken. Während sie mein Bier vor mir platzierte, wurde ihr Lächeln immer breiter. Irgendwie konnte man sie nur mögen. „Ich kam nach Saarwellingen, um die Spuren der Menschen zu finden, die in alter Zeit einmal Raubritter in die Flucht geschlagen haben. Es gab da wohl eine tapfere Magd und eine dunkle Burg. In dieser Burg oder ihren Ruinen sind Informationen, die ich brauche.“

Ihr Grinsen schien von unten an die Brillenränder zu stoßen. „Da kann ich weiterhelfen… Aber auch das ist noch nicht das Ende Deiner Geschichte…“ Als ich nicht antwortete, sprach sie weiter: „Komm, wir reden in Ruhe. Ich sage Dir was ich weiß, und Du sagst mir was Du suchst“, sagte sie und zog mich mit einer überraschenden Geschwindigkeit zu einem Tisch in einer Ecke ihres Gasthauses.

„Die Geschichte der tapferen Magd aus Saarwellingen ist auch meine. Ich bin eine direkte Nachfahrin von ihr“, nickte sie schnell. Leise und nicht nur ein bisschen stolz wisperte sie mir zu, was sich ereignet hatte: Eine mutige Magd wollte das Herz ihres Angebeteten gewinnen, deshalb hat sie sich einer Mutprobe gestellt und dabei einen geheimen Tunnel in die Burg der Raubritter gefunden, die die Gegend seit langem in Furcht versetzten. Daraufhin haben die Saarwellinger diesen genutzt, um die Ritter zu vertreiben. Plötzlich standen sie in der Burg und überraschten die zechenden Räuber mitten in einem Gelage. Es gelang ihnen nach einem kurzen aber heftigen Kampf die verhassten Ritter auf ewig in die Flucht zu schlagen. Doch die Saarwellinger beschlossen das für sich zu behalten. Denn sie wussten, wenn man der Gemeinde weiterhin nachsagen würde, sie werde von Raubrittern heimgesucht, würde sich niemand anderes dorthin trauen, um die Herrschaft zu beanspruchen. Hinter den großen Mauern der Burg lagerten sie fortan ihre Vorräte.

Ich musste lachen. Die Raubritterburg als Vorratskammer, sicher vor Plünderung und Wetter – in der Tat eine gute List. Wenn die Bevölkerung dort Vorräte und allerhand Wertvolles versteckt hatte, dann vielleicht auch meine Amalia.

Amüsiert sah sie mich an. „Und jetzt sagst Du mir, was hinter Deiner Suche steckt.“

„Ich müsste die Burg finden. Weißt Du, wo sie sich befindet?“.

„Du willst mir nicht sagen, welches Geheimnis Du mit Dir trägst. Naja, ich habe genug Menschen in meinem Leben kennengelernt, um zu wissen wer von ihnen Gutes und wer Böses im Schilde führt. Bei Dir ist es nichts Schlechtes.“ Flink sprang sie auf und schrieb in schöner Schrift etwas auf einen Zettel. Eine Wegbeschreibung, die mich zur Burg führen sollte.


 

Inzwischen war es Abend geworden. Die Sonne senkte sich erschöpft, die Sterne machten sich bereit für ihre Schicht. Langsam zweifelte ich am Verstand der alten Dame. Ich war dem angegebenen Weg gefolgt und sah doch keine Burg. Auf ihrem Zettel stand, ich würde an einem kleinen Bachbett auf zwei angsteinflößende Wächter stoßen, zwei Brüder, die den Eingang zum geheimen Tunnel bewachten. Doch weit und breit war hier keine Menschenseele. Wenigstens ein Bachbett hatte ich gefunden. Im Herbst und Frühling würde es wohl etwas Wasser führen, zurzeit war es trocken. Als ich daran entlang ging, sah ich plötzlich am sich verdunkelnden Horizont zwei Weiden neben dem Bachbett stehen. Ihre Äste wie abwehrend in die Luft gestreckt, ihre Stämme als würde sie keine Macht der Welt vertreiben können. Ich ging näher heran. Die Weiden mussten schon viele Jahre alt sein. In der Dämmerung konnte man sich fast vorstellen sie hätten Gesichter, zu schrecklichen Grimassen verzogen um jeden zu warnen, der nicht hier hingehörte. Das mussten die Wächter der alten Dame sein.

Erneut sah ich auf den Zettel. Ich bemerkte zum ersten Mal, dass die Rückseite beschriftet war. Dort stand: „Seit Generationen wird in meiner Familie die Legende von der jungen Magierin überliefert, die Zuflucht in der Burg fand. Eine Unendlichkeit später, so wurde uns gesagt, würde ihr Mann kommen und sie suchen. Ich wusste, hinter Dir steckt diese, ihre Geschichte. Viel Glück, Alchemist! Herzlichst, Deine Erna.“

„Touché, alte Dame“, dachte ich. Wenn meine Geschichte ein glückliches Ende finden sollte, werde ich zurückkehren und sie Dir erzählen.

Ich folgte dem Bachbett eine leichte Steigung hinauf, bis die Steine an seinem Grund größer wurden. Der Tunnel, genau wie die Burg, schienen nicht mehr zu existieren, doch rund um einen Felsvorsprung waren noch Mauerreste zu erkennen. In einer Aussparung, wohl für eine Fackel, sah ich ein Schimmern. Gott sei Dank, ein Fläschchen.

 

Mein Liebster,

kannst Du es glauben, ich habe Zuflucht gefunden in einer Raubritterburg. Hier würde ich sicher sein, sagten mir die Dorfbewohner, ich sollte mich bei Bedarf einfach an den Vorräten bedienen.

Lange konnte ich hier bleiben, doch auch hier haben sie mich irgendwann gefunden. Ich höre das Donnern der Hufe ihrer Pferde. Ich werde ganz weit in Richtung Norden laufen, an einen neuen Ort, und hoffen, dass ich dort ein Versteck finde. Ich liebe Dich!

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Kneipp-Anlage und SWV-Hütte, an der L 142, 66793 Saarwellingen

Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Kneipp-Anlage und Hütte des Saarwaldvereins am Ortsausgang Saarwellingen in Richtung Lebach (kurz hinter dem Wildfreigehege Wolfsrath biegt ihr nach rechts ab). Folgt dem asphaltierten Waldwirtschaftsweg entlang des Heßbaches. Zu eurer Linken befindet sich Wald, zu eurer Rechten fließt der Heßbach. Nach einiger Zeit erreicht ihr eine Gabelung, an der ihr nach rechts abbiegt. Nun kommt ihr an einer kleinen Brücke vorbei, an der ihr auch die besagten „Wächter“ antrefft.

Was steht auf der grünen Fahrradbeschilderung, die an der Gabelung vorzufinden ist?
Steigt … m auf … km.

Ich bin Geocacher

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Kapitel 7 | Die Brücke und das Biest

Lebach

Ich hatte bereits seit Saarwellingen dieses ungute Gefühl im Magen. Kein Hinweis, keine Person, kein Anhaltspunkt für den Weg meiner Amalia. Kalt lief mir ein Schauer über den Rücken, ich hoffte inständig, ihr war die Flucht gelungen.

Irgendein Anhaltspunkt … irgendetwas Ungewöhnliches könnte mich zu ihr führen.

Unsere Flucht war begleitet von Mystischem, Zwischennatürlichem und Figuren im Halbdunkel. Ich befragte mehrere Bürger, suchte nach alten Sagen und volkstümlichem Glauben. Diese Orte würde ich dann der Reihe nach aufsuchen.

Einer dieser Orte war eine Brücke, unter die angeblich ein Verfluchter verbannt worden war. In Menschen- oder Hundegestalt, trieb er dort sein Unwesen. Nach allem was war und was ich bisher erlebt hatte – ich glaubte an alles. Gründlich durchsuchte ich die Umgebung der Brücke. Und tatsächlich, ein Fläschchen. Doch die Schrift war nicht die meiner Amalia; mein Herz schlug in meinem Hals. Hastig begann ich zu lesen.

Clemens du Feu –

mein Name ist Hermann vom Litermont und ich schreibe Euch, um die Geschichte Eurer Frau weiterzuführen. Mein Herr ist der Fürst Maldix vom Litermont, seit vier Generationen steht meine Familie im Dienste der seinen. Ich bin der Chronist des Fürsten und erhalte seine Taten für die Nachwelt. Aber bitte, seid nicht besorgt, ich bin auf Eurer Seite! Denn ich habe gemerkt, der Fürst ist kein gnädiger Regent, er ist ein Mann getrieben von verblendetem Stolz und unermüdlicher Habgier. Was er beherrschte, hielt er mit harter Hand, was er wollte, presste er bis aufs Letzte aus den Menschen heraus. Und was er mehr begehrte als alles andere war Macht. Ewige Macht. Doch was würde mit seiner Macht geschehen nach seinem Tod?

Ihm war bewusst: Auch wenn er seine Untertanen beherrschte und er über ihr Schicksal bestimmte, er würde sich in einer Hinsicht nie über sie erheben können – er würde sterben wie sie alle. Er vermochte nicht zu ertragen, dass auch er Grenzen hatte. Grenzen, die sein Wesen als Mensch vorgab.

Doch mein Herr war nicht bereit zu gehen wie alle anderen, ohnmächtig zu werden durch den Lauf der Zeit und die eigene Sterblichkeit. Deswegen hat er Euch und Eure Frau gejagt, ihr wart sein Schlüssel zur Unsterblichkeit.

Seine Reiter haben sie gefunden. In Fesseln und ausgezehrt nach einer langen Flucht wurde sie in unser Verlies gesperrt.

Danach glich jeder Tag dem anderen: Jeden Tag wurde sie meinem Herren vorgeführt, und jeden Tag weigerte sie sich, ihm das Rezept für ewiges Leben zu verraten. Er ließ sie hungern, er ließ ihr ein Festmahl aufstellen, versuchte auf jede Weise sie dazu zu bringen, seiner Forderung nachzugeben.

Eure Frau beeindruckte mich. Sie war so stark und blieb unverzagt im Moment der Furcht. Nie habe ich sie weinen hören, nie flehen. Später erzählte sie mir, dass sie stark bleiben konnte, weil sie wusste, dass Ihr kommen würdet.

Ich war neugierig, welche Geschichte sich hinter diesem seltsamen Treiben versteckte, warum mein Herr so an dieser Frau interessiert war. Meine Neugier trieb mich zu ihr, und ich begann mit ihr zu sprechen. Ich wusste, wie grausam mein Fürst war und beschloss nicht weiter sein Wüten als Heldentaten zu glorifizieren, sondern stattdessen die Geschichte dieser Unbekannten zu erhalten.

Wir freundeten uns an, und schließlich erzählte sie mir, wie sie zu uns gekommen war. Ich schwor ihr, dass ich ihre Geschichte bewahren und Euch den Weg zu ihr zeigen würde, egal wie die Geschichte enden würde.

Meine Erzählung beginnt also in Lebach.

Mein Herr, müsst Ihr wissen, hat nicht nur unermüdliche Reiter, er verfügt auch über viele Wesen, die unter seiner Herrschaft stehen. Dies sind Untertanen, wie Ihr sie kennt und Wesen, wie sie albtraumhaft und aus der Welt der Schauergeschichten zu stammen scheinen. Ich selbst bin ihnen nie begegnet; man spricht in der Nacht nicht von ihnen, ängstlich, sie würden herbeibeschworen durch die Nennung ihres Namens. Doch am Tag, im Schutze des Sonnenscheins, hört man das eine oder andere Wort grauenhafter Gerüchte.

Als Maldix den Befehl ausgab Euch zu suchen, ging diese Weisung an alle seine Häscher – die Reiter, die Euch verfolgten und die dunklen Wesen, von denen man nicht zu sprechen wagte. Zwei Alchemisten auf der Flucht sagte er, einfach auszumachen, und er versprach sich erkenntlich zu zeigen, sollte es einem seiner Helfer gelingen Euch zu fassen.

Einer von Maldix gnadenlosen Häschern ist der Lonquis von Lebach. Einst war er Amtmann, doch – so erzählt man sich – fand er nach seinem Tode keine Ruhe und würde nun als großer wilder Hund umgehen.

Eure Frau kam nachts hierher. Sie war den Reitern knapp aus Saarwellingen entkommen, war hastig geflohen, blind vor Angst. Schließlich überquerte sie im Schutze der Nacht eine Brücke. Die Brücke, auf der Ihr nun steht. Amalia berichtete mir, sie hatte plötzlich das Gefühl, etwas würde sie zurückhalten. Etwas Schweres lastete auf ihren Schultern und das Atmen fiel ihr schwer. Weder wusste sie, dass dies die Brücke ist, unter die der Lonquis für seine schlechten Taten verbannt worden war, noch, dass der Lonquis im Auftrag des Maldix versuchte sie aufzuhalten. Doch Ihr kennt Eure Frau: sie ließ nicht von ihrem Ziel ab. Weiter und weiter setzte sie einen Fuß vor den anderen, das Ende der Brücke fest im Blick, während der Dämon ihr Grausames ins Ohr flüsterte und sie mit all seiner Kraft zurückhielt. Er sprach davon, dass Ihr tot wärt und auf der anderen Seite des Maldix grässliche Reiter warteten, davon, wie unmöglich Euer beider Flucht ist und davon, dass der Fürst am Ende immer bekam was er wollte. Nein, Eure Amalia gab nicht auf, sie ging immer weiter, nichts würde sie aufhalten. Lonquis Worte, die Schmerzen, das Gewicht, sie kämpfte dagegen an. Als sie mit ihrem Fuß den letzten Schritt auf die andere Seite tat, hörte man ein tiefes Jaulen. Ein schmerzerfüllter Laut hallte wie Donner über das Tal. Dort endete der Bann des Lonquis, dies war die unsichtbare Grenze, die er nicht überschreiten konnte, hier verlor er seine verfluchte Macht. Eure Frau floh weiter, nach Schmelz, doch dort sollte sie in die Hände des Schwarzen Birgpeter fallen…

Oh Gott, sofort machte ich mich auf den Weg zur Ritterburg in Schmelz.

Ich bin Schnitzeljäger

Parkmöglichkeiten: z. B. Tholeyer Straße, 66822 Lebach

Die sagenumwobene Brücke, die über Saubach und Theel verläuft, befindet sich direkt an der Grenze des Landkreises Saarlouis.

Wie lautet der Name des ersten Ortes auf dem Straßenschild am Ende der Brücke (in nördlicher Richtung)?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 8 | Der Schwarze Birgpeter

Schmelz-Limbach

Der Schwarze Birgpeter war ein grausiger Raubritter. Er hatte einiges gemeinsam mit meinem Fürsten, sie standen sich in nichts nach in den Gräueltaten, die sie begangen und der Art, wie die Furcht der Bevölkerung jeden ihrer Schritte begleitete. Seine Burg stand auf dem obersten Punkt des Horsts, ein Hochwald voller Eichen, Buchen und Tannen. Wie ein dunkler Geist ragte sie über das Tal, eine allgegenwärtige Erinnerung, dass die Menschen nie in Sicherheit waren. Um sich herum hatte der Birgpeter rechtlose Männer gescharrt, gemeinsam plünderten sie was ihnen in den Weg kam. Niemand hatte den Birgpeter je stellen können, er war so listig wie er skrupellos war. Niemand kannte den Weg in seinen Unterschlupf, und niemand vermochte die Leute vor ihm zu schützen.

Eure Frau ist seinen Männern in die Falle geraten, als diese gerade Kaufleute ausrauben wollten. Eine junge Frau alleine auf weiter Flur schien dem Birgpeter verdächtig. Sie war fernab der Wege unterwegs und in der Gegend nicht bekannt. Zwar hatte sie versucht sich im Unterholz zu verstecken, doch zu spät, die Reiter hatten sie gesehen.

Der Birgpeter erinnerte sich, dass der Maldix vom Litermont auf der Suche nach einem Paar war, und auf diese Frau passte die Beschreibung gut. Der Birgpeter witterte ein gutes Geschäft. Er befahl seinen Männern sie zu fangen. Mit verbundenen Augen und gefesselt verschleppten die Raubritter sie auf die Burg.

Oft hörte sie, wie das Burgtor hochgezogen wurde und die Reiter im wilden Galopp in die Dunkelheit ritten. Danach war es lange still, bis sie – immer siegreich – zurückkehrten und ihre Verdorbenheit feierten. Aus ihrem unterirdischen Verlies führte kein Weg in die Freiheit. Kein Spalt in der Mauer, der ihr sagen konnte, ob gerade Nacht oder Tag war. Die Wände waren glatt, es schien als wären sie direkt in den Sandstein geschlagen worden, keine Bruchstellen, keine Fluchtmöglichkeit. Sie hatte das Gefühl, sie würde aus diesem nasskalten Gefängnis niemals entkommen können.

Eines Nachts hörte sie Stimmen, aber nicht die der Reiter. Es waren leise Stimmen, schnelle, fast geräuschlose Befehle und der Klang von Schaufeln. Sie lauschte angestrengt, konnte mehrere Stimmen ausmachen, es mussten mindestens 20 Männer am Werk sein. Was sie taten wusste sie nicht, doch es schien, als arbeiteten sie ohne Unterlass. Abrupt endeten die Geräusche, es war mit einem Schlag furchtbar still. Dann geschah lange nichts….


 

Fast waren die Geräusche schon vergessen, da hörte sie plötzlich ein lautes Krachen, laute Schreie menschlichen und tierischen Leids. Flüche und Schmerzensschreie drangen durch die Kerkerwand und erschütterten sie bis ins Mark.

Wenige Minuten später vernahm sie hastige Schritte, sie näherten sich ihrer Zelle. Die Tür wurde so plötzlich aufgestoßen, dass sie sich ängstlich in die Ecke kauerte. Ihre Augen waren schon von dem wenigen Licht geblendet, das durch die offene Tür drang. Unerbittlich wurde sie aus der Ecke gezogen, ein Ritter packte sie und zog sie grob hinter sich die Treppe hoch. Als sie in den Hof kamen, konnte sie nichts mehr sehen. Schon das Licht im Verlies hatte in ihren Augen gestochen, doch als sie in den Hof gezogen wurde war es früher Morgen. Gefesselt und geknebelt hatte man sie auf ein Pferd gelegt und war in einem schnellen Galopp durch den Hof in eine kleine Gasse geritten. Sie konnte nicht sehen, wohin die Reise ging, nur, dass sich irgendwann der Boden veränderte, es wieder dunkel wurde und das Hufgetrampel in ihren Ohren schallte. Sie vermutete, dass sie einen Tunnel nahmen. Bald waren sie im Wald, doch ihr Ritt würde nicht enden. Sie ritten den ganzen Tag.


 

Am Abend wurden sie langsamer, der Weg ging steil bergauf.

„Wir sind fast da, wir sollten uns ruhig verhalten“, waren die ersten Worte, die sie hörte. „Ja, wir sind nicht durch die Falle der Bauern gestorben, durch seine Hand will ich jetzt auch nicht sterben.“

Dem Maldix hatte der Birgpeter nie die Gefolgschaft geschworen. Er war dem Fürsten so gut es geht aus dem Weg gegangen. Amalia erzählte mir später sie habe den Eindruck gewonnen, selbst der Schwarze Birgpeter fürchtete den Fürsten vom Litermont.

„Ich werde mit ihm reden und ihm die Frau übergeben, dafür erwarte ich, dass er sich erkenntlich zeigt. Bleibt wachsam und tut was ich sage.“

Ein Klopfen am Tor, Aufruhr unter den Männern, die sie mitgenommen hatten, ein kurzer Austausch zwischen dem Birgpeter und einem anderen Mann, danach das Geräusch eines Tores, das hochgezogen wird.

Langsam ritt die Gruppe um den Birgpeter in die Burg, ihre Gefangene wurde vom Pferd gezerrt und sofort ins Gefängnis verbracht. Während seine Männer bei den Pferden warteten, begab sich der Birgpeter zu einer Audienz bei meinem Herren.

Mit einem letzten Blick auf die angespannten Schmelzer Reiter im Hof unserer Burg machte ich mich auf den Weg zu meinem Fürsten Maldix. Mein Herr war seinem Ziel noch nie so nahe wie in diesem Moment – Amalia du Feu war jetzt seine Gefangene.

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: hinter der Limbacher Verzinkerei, Bahnhofstraße, 66839 Schmelz-Limbach

Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz des Limbacher Raubritterpfades am Ende der Bahnhofstraße (Nähe Verzinkerei). Von dort aus folgt ihr dem Pfad, bis ihr nach einigen Metern ein Infoschild erreicht, an dem ihr euch rechts haltet. Ihr verfolgt den Pfad durch den Wald und erreicht nach einer Weile und einem längeren Anstieg das Infoschild „SaarErlebnisLand“. Jetzt geht es rechts auf einem schmalen und steilen Pfad bergab, an dessen Ende der Sage nach der ehemalige Eingang zur Birg liegt.

An dem Schild kurz vor dem Abstieg zu Kessler’s Löcher: Wie viele Meter sind es zum Burgtor?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 9 | Der Fall des Fürsten

Nalbach

Ich habe Euch bereits berichtet, wie ich mich mit Eurer Frau angefreundet habe und wie mutig sie in der Gefangenschaft blieb. In der Geschichte, die ich Euch zu erzählen vermag, folgt nun noch das letzte Kapitel, das ich erfahren durfte.

Tagein, tagaus wurde Eure Amalia immer wieder dem Fürsten vorgeführt. So waren bereits über zwei Jahre vergangen. Allem hielt sie stand, erhobenen Hauptes und voller Stolz. Sie würde ihm nichts sagen, ihm nicht zu dem verhelfen, was er am meisten begehrte. Im Angesicht seines Zornes blieb sie ruhig, versuchte er ihr zu schmeicheln, durchblickte sie seine Lügen, und drohte er ihr mit dem Tod ihres Mannes, so ließ sie sich keine Furcht anmerken.

Ich war mir sicher, wären die Bewohner der Burg nicht so in Angst vor dem Maldix gewesen, hätten sie sich auf die Seite dieser mutigen Frau gestellt. Doch wie es war, stand sie alleine.

Auch wenn ihr niemand half, so stellte sich heraus, war sie alleine schlagkräftig genug. Bereits in der ersten Nacht ihrer Gefangenschaft hier hatte sie aus dem, was ihr Kerker so hergab, eine Mischung zusammengestellt, mit der sie sich einen Weg in die Freiheit bahnen könnte. Eine Alchemistin sollte man nur in einem Gefängnis einsperren, in dem wirklich gar nichts ist. Nichts, was eine Wissenschaftlerin nicht bereits in Rezepten aus dem 11. Jahrhundert gelesen haben könnte. So wie es war, konnte sie sich einiges zusammenstellen, vergären lassen, erhitzen und schließlich trocknen. Nach sehr langer Arbeit daran war das Schwarzpulver bereit, es galt nur noch eine günstige Gelegenheit abzuwarten.

Diese kam in einer kalten Herbstnacht. Es gewitterte und grelle Blitze durchzuckten den Himmel. Die Bäume wurden durch den eisigen Wind hin und hergerissen, manche entwurzelt, manche brachen unter der Macht der Luft. Über die Burg kam mit dunklem Grollen der Donner und schien uns einzuschließen, auch die Blitze mit ihrem scharfen Schlag vermochten nicht dieses grausige Dröhnen zu zerreißen. War es kurz still, so zogen wir die Köpfe ein in ängstlicher Erwartung was da kommen mag und kauerten uns schließlich trotzdem verschreckt zusammen als das dunkle Konzert zu einem weiteren Schlag ansetzte.

Als Eure Frau ihre Zellentür aufsprengte, ging der Schall der Explosion in diesem Dröhnen unter. Sie hatte das Schwarzpulver so gezündet, dass sich die Explosion mit denen am Himmel mischte. Welche Art Knall nun zwischen den Burgmauern schallte, das vermochte niemand zu sagen. Und so fiel es nicht auf, dass sie aus ihrer Zelle entflohen war.

Als eine der Wachen die leere Zelle vorfand, wurde Alarm gegeben. Schnell sammelten sich die Männer. Nur einen einzigen Weg konnte sie genommen haben, doch war es so dunkel, dass niemand reiten wollte. „Wer nicht reitet, den wird der Teufel holen!“ rief Maldix seinen Männern zu, zog harsch die Zügel seines Pferdes an, dreht es und stürmte im Teufelsgalopp aus der Burg. Die Männer folgten ihm, ihrem Herren, dem sie die Treue bis in den Tod geschworen hatten. Sie folgten aus Angst vor ihm, aber auch aus Angst, der Teufel könnte ihre Seele holen. Mit wildem Jagdgeschrei ritten sie in die Nacht, begleitet von dem Gebell ihrer schnellen Jagdhunde.

Blitze erhellten Amalias verzweifelte Flucht, alles schien in Zeitlupe zu laufen. Von Blitz zu Blitz verfolgte Fürst Maldix die Alchemistin. Wohin sie lief – sie vermochte es nicht zu sagen; zwischen Tränen und Dunkelheit waren die Blitze die einzigen Schlaglichter, die den Weg erhellten. Egal wie oft sie fiel, sie lief einfach immer weiter. Doch auch Maldix gab nicht auf, unbeirrt blieb er auf ihrer Spur. Seine Männer fielen immer mehr zurück, auch wenn sie ritten wie der wilde Wind. Maldix war getrieben von etwas Größerem, etwas viel Mächtigerem, etwas Ewigem – seiner unstillbaren Gier. Plötzlich sah er sie vor sich auf dem Weg. Zu seiner linken Hand der Wald mit seinem unwegsamen Unterholz, zu seiner rechten der Abgrund. Er wusste, sie würde nicht entkommen können. Noch stärker trieb er sein Pferd an, als würde der Teufel auf seinem Hengst reiten.

Amalia hörte die Hufe des Pferdes – ein schwarzer Hengst mit Schaum vor dem Maul. Ihr Herz schmerzte, sollte es so enden. Vor ihr nur Abgrund, links Felsen und Bäume, kein Ausweg – das Ende der Flucht. Sie dachte an ihren Mann, die Liebe, die sie verband und das Versprechen, das sie sich schworen zu halten. „Clemens, ich liebe Dich!“ waren ihre letzten Worte als sie sich zu Boden warf.

Ein Blitz, ein Schlag wie ein Peitschenhieb, das ohrenbetäubende Grollen des Donners, Fürst Maldix konnte sie fast greifen. Doch als er sie eigentlich hätte greifen können, ragte seine Hand ins Leere. Zu spät.

Was folgte, war fast, als hätte die Zeit angehalten. Maldix´ Verstand konnte gar nicht verarbeiten was passiert war. Ungläubig, warum er sie nicht erreicht hatte, sah er zur Seite. Es muss so gewesen sein, die Alchemistin hatte sich wohl direkt vor der Klippe an den Felsen gekauert. Zu spät begriff Maldix, warum es um ihn herum plötzlich so still war, warum das unerlässliche Fallen der Hufe nicht mehr war, warum um ihn herum nur noch das Heulen des Windes in seinen Ohren schallte. Seinen letzten Fluch schluckte der Wind.

Blind für alles Übrige hatte Maldix die Klippe nicht gesehen. Auf seinem Höllenritt gab es kein Halten, sein letzter Schrei – an den Teufel gerichtet – hatte keine Wirkung. Nur wenige Sekunden später donnerten auch seine teuflischen Reiter samt Jagdhunden in den dunklen Abgrund, Schreie der Panik mischten sich in das Grollen und Peitschen des Gewitters – eine grausige Symphonie, die ich niemals vergessen werde.

Wir sahen all dies aus der Ferne. Als wir an der Klippe ankamen, war Amalia weg und die Männer die gefallen waren, umgab völlige Dunkelheit und eine schreckliche Stille. Am nächsten Tag fanden wir ihre Leichen tief in der Schlucht, die wir fortan Teufelsschlucht nannten. Doch weder die Alchemistin noch den Fürsten vermochten wir zu finden.

Ich bin tiefer Hoffnung, dass es sich so zugetragen hat und Eure Frau entkommen konnte, dass eine Gnade des Himmels sie beschützt hat. Oft sprachen wir von Vergebung. Ich sagte ihr, dass selbst Pontius Pilatus vergeben worden war und hoffte nun, man werde auch meiner Seele gnädig sein. Vielleicht hat Eure Frau den Weg zu Pilatus ja gefunden. Sie wollte ihn einmal kennenlernen, sollte seine andauernde Existenz nicht nur Volksglauben sein.

Ich bin mir darüber bewusst, dass diese Zeilen Euch erst erreichen werden, wenn mein Leben und das unzähliger anderer bereits lange vorüber sind. Wir werden gelebt haben, ein Leben, unser Leben, das einzige, das wir haben, während Ihr verflucht seid zu suchen. Ich habe wider meinen Fürsten gehandelt und mir angemaßt über Recht und Unrecht zu befinden. Ich würde es wieder tun.

Ein Letztes: Alchemist, Ihr sollt wissen, Eure Frau liebt Euch von ganzem Herzen.

Ich bete für Euch und Eure Frau – ehrfürchtig Euer Hermann vom Litermont.

Tränenüberströmt saß ich auf dem Gipfel des Litermonts, die Luft war still und die Sonne schien. Eine Nacht wie die beschriebene schien ewig weit weg, unmöglich im Angesicht der Sonne. Gnade, ich hoffte auch auf die Gnade, dass meine Frau es doch überlebt haben könnte. Pontius Pilatus – ich muss nach Dillingen.

Bevor mein Kopf den Gedanken beenden konnte, war ich bereits aufgesprungen. Ich rannte den ganzen Weg, meine Lunge brannte und meine Beine waren fast taub, doch ich konnte nicht anhalten. Grausame Ironie: so besessen wie der Maldix meiner Frau nachgejagt war, so fixiert verfolgte ich nun ihre Spur.

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Wanderparkplatz „Maldix“, Etzelbachstraße, 66809 Nalbach

Kurz hinter dem Wanderparkplatz „Maldix“ folgt ihr der Radwege-Beschilderung Richtung „Beckingen/Düppenweiler“. Es geht leicht bergauf. Rechter Hand befindet sich der Nalbacher Geschichtspark. Nach einigen Metern gelangt ihr an eine Abzweigung, an der ihr der Beschilderung Richtung Teufelsschlucht und Litermontkreuz folgt. Nachdem ihr einige Treppenstufen absolviert habt, befindet ihr euch in der sagenumwobenen Teufelsschlucht.

Welches sind die ersten zwei Zahlen, die der Teufel auf der Brust trägt?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 10 | Schuld und Sühne

Dillingen-Pachten

Wenn ich nun so darüber nachdenke, ich weiß nicht wie ich heil vom Litermont heruntergekommen bin. Vielleicht hat mich das Schicksal geführt, vielleicht hatte ich einfach Glück. Doch habe ich meinen Weg geschafft, ich bin in Dillingen angekommen.

Seit jeher geht die Sage im Volksmund, Pachten sei einst der letzte Aufenthaltsort von Pontius Pilatus gewesen. Nach dem Ende seiner blutigen Herrschaft in Judäa und Samaria rief ihn Kaiser Caligula zu sich nach Rom, wo er sich für sein Regime verantworten musste. Auch wenn sich seine Spuren danach verlieren, gibt es doch Schriften, die behaupten, er sei in die Region Gallien abkommandiert worden, wo er schließlich aus Schuldgefühlen Selbstmord begangen habe. Der Weg von Vienna in Gallien bis nach Pachten war nicht weit, und so geht die Sage um, er sei hier heute noch „Auf Maul und Nas‘“ begraben, irgendwo in der Nähe eines Baches. Von dort aus könne er seine Hände weiter in Unschuld waschen. Sein Klagen hört man – so die Sage – vor allem in den Nachtstunden an Karfreitag.

Ich fand einen Bach und einen See, in den er mündete. Fließendes Gewässer, so wusste die Sage, würde ihn anziehen. Doch auch nach einigem Suchen konnte ich nichts erkennen, was auf ein Grab oder ähnliches hindeuten würde. Ich würde die Nacht abwarten müssen.


 

Als ich aufwachte war es stockdunkel. Kurz schüttelte ich mich, ich musste nun weitersuchen. Ein Mal ging ich langsam um den See, immer auf Geräusche achtend, immer in der Hoffnung etwas Ungewöhnliches zu sehen. An einer Stelle wurde das Plätschern immer lauter. Hier war wohl ein Zulauf. Vorsichtig näherte ich mich den Bäumen am Ufer, woher das Geräusch stammte. Als ich durch die Äste schaute, sah ich einen Schatten. War das nun ein Ast oder vielleicht doch etwas anderes? Ast um Ast schob ich zur Seite, der Schatten bewegte sich langsam, ein Plätschern war zu vernehmen. Bevor ich Genaueres ausmachen konnte, verlor ich plötzlich den Halt. Unsanft kam ich mit dem Gesicht nach unten liegend wieder zu mir. Tief war ich nicht gefallen, aber es reichte wohl um kurz das Bewusstsein zu verlieren.

Ich kam zu mir, stemmte meine Hände in den Boden und richtete mich langsam auf. Um mich herum glatte Wände, scheinbar in Eile in den Boden gegraben. Ich streckte meine Arme aus, feuchte Erde in fast viereckiger Form. Das hier war kein normales Loch im Boden, es war ein Grab: das Grab des Pontius Pilatus. Und ich war mittendrin auf Maul und Nas‘ gelandet, welch‘ Ironie.

Im Stehen konnte ich leicht über den Rand der Grabgrube schauen. Wieder sah ich den Schatten, doch schien er sich nur schleppend zu bewegen. Im Mondlicht ging eine gebückte Gestalt langsam umher. Der Schatten war eine schmale Person in einer Toga und dunklen Umhängen, gezeichnet von den Jahrtausenden. Konnte es sein? Ich vernahm ein Murmeln, leise und lethargisch wie ein seit Jahrhunderten eingeübtes Trauerlied. Altes Latein – gut, dass ich das noch gelernt hatte. Er sagte in etwa:

„Außerhalb der Stadtmauern verscharrt. Keine Ehre, nur Schande für mich, dabei war ich es doch nicht. Warum vergibt mir niemand?“

Als die Gestalt auf mich zukam, duckte ich mich schnell, doch schien sie mich entweder nicht wahrzunehmen oder interessierte sich einfach nicht für mich. Schlurfende Schritte gingen am Grab vorbei und traten den Pfad entlang, den sie wohl schon seit einer langen Ewigkeit gingen.

„Die Münze für den Fährmann habe ich nie bekommen, nicht eine Münze, ich treuer Diener. Kein Verräter, kein Despot, ach, warum vergibt mir niemand?“

Das musste Pontius Pilatus sein; seine Kleidung, sein Klagen, alles deutete darauf hin. Wie sollte ich mich ihm nähern?

Die Figur bückte sich zum Wasser. Friedlich plätscherte es vor sich hin. Er kniete nieder, schob seine Gewänder an den Armen hoch und tauchte beide Hände ins Wasser. „Unschuld, wie lange soll ich sie noch waschen meine Hände? Sie sind rein, gewährt mir endlich Vergebung!“ Nachdem er drei Mal die Waschung durchgeführt hatte, stand er langsam auf und begann wie zuvor seine Runde abzugehen.

Vorsichtig zog ich mich aus dem Grab und ging auf ihn zu. Ich trat seitlich an ihn heran und sprach leise: „Ave Pontius Pilatus!“ Seine Schultern zuckten wie unwillkürlich hoch. Langsam drehte er seinen Kopf zu mir. Doch seine Augen schienen meine nicht zu finden, er blickte quasi durch mich hindurch.

„Ich bin Clemens du Feu und ich suche meine Frau Amalia. Sie ist vor langer Zeit hierher geflohen vor dem dunklen Fürsten Maldix. Habt ihr sie gesehen?“ Weiter starrte er mich mit diesem leeren Blick an. Dann senkte er den Kopf und ging weiter klagend seines Weges. Fassungslos ging ich neben ihm her, versuchte seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Als er wieder am Bach angekommen war, kniete er nieder und begann mit seinem Waschritual. Ich kniete mich ihm gegenüber und bevor seine Hände das Wasser berühren konnten, griff ich sie und zog sie auf Augenhöhe. „Seht mich an und sprecht! Wisst ihr etwas von der Alchemistin?“ Langsam fanden seine Augen ihren Fokus, zum ersten Mal schien er mich wirklich zu sehen. „Verflucht zur Ewigkeit wie ich, gab sie sich die Schuld am Tod vieler Männer… wie ich…“, er verstummte. „Redet weiter!“, schüttelte ich seine Hände. Sie waren wie zum Gebet gefaltet. „Sie suchte Vergebung, ich sagte ihr, ich wüsste nicht wie diese zu finden sei. Seht mich an, dabei bin ich unschuldig.“ Wieder wurde seine Stimme leiser, bis er schließlich nicht mehr weitersprach. „Hat sie Euch etwas gegeben? Ein Fläschchen?“ Er senkte seinen Blick und ich begann bereits zu fürchten, ich hätte seine Aufmerksamkeit verloren, als er mich wieder ansah. „Hier im Bach, genau unter uns.“

Hastig tasteten meine Hände im Bachbett den Grund ab. Kiesel, größere Steine. Plötzlich etwas Glattes – Glas. Mit Tränen der Erleichterung in den Augen dankte ich still den Göttern, dass die Vermutung Herrmanns wahr war und meine Frau heil vom Litermont gekommen war. Ich zog das Fläschchen heraus.

Mein Liebster,

ich lebe! Ich kann es selbst kaum fassen, aber mir ist die Flucht gelungen. Doch mein Herz wird schwer, wenn ich darüber nachdenke wie. Ich werde lernen müssen damit umzugehen und hoffen, meine guten Taten werden die schlechten irgendwann aufwiegen. Ich hoffe, Hermann hat Wort gehalten und Dich hierher geleitet. Auch wenn ich weiß, dass Maldix tot ist, so kann ich nicht umhin doch des Nachts seine Rufe zu hören. Vor allem in Gewitternächten habe ich das Gefühl, er und seine Männer jagen mich weiter – geisterhaftes Gebrüll und das Donnern von Hufen. Und einmal, das könnte ich schwören Liebster, einmal habe ich ihn tatsächlich gesehen. Zwischen den Blitzen ein großes Gespensterheer, der Maldix an seiner Spitze. Sie suchen mich. Und auch wenn es nur ein teuflischer Trick meiner ängstlichen Seele ist, so werde ich mich zur Sicherheit weiter verstecken. Ich werde ganz nach Westen gehen, an einen Ort an der Nied. Ich liebe Dich über alles!

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich nahm das Fläschchen an mich und schaute nochmals Pilatus an. Ein letztes Mal griff ich seine Hände, sah ihm in die Augen und sagte: „Ich hoffe, Ihr findet Vergebung. Ihr habt mir und meiner Frau einen großen Dienst erwiesen. Seid Euch meines tiefen Danks bewusst.“ Die Träne, die seine Wange hinabglitt, vermischte sich mit dem Wasser des Baches.

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: An der Reitsportanlage, In der Lach, 66763 Dillingen-Pachten

Startpunkt ist die Reitsportanlage in Dillingen-Pachten. Von dort aus bewegt ihr euch entlang des Haienbachs in Richtung Ökosee, ihr geht also an der ersten Kreuzung gleich nach dem Parkplatz links. Nach kurzer Zeit habt ihr das Ziel erreicht: rechter Hand findet ihr eine Anhöhe, von der ihr auf den See schauen könnt.

Welches Tier befindet sich unten links auf dem Infoschild an der Gabelung („Willkommen im Vogelschutzgebiet“)?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 11 | Herz aus Gold

Siersburg

Eigentlich hätte mich der Anblick des glänzend hinfließenden Wassers beruhigen müssen. Und eigentlich würde es mein Herz erfreuen, wie das Wasser an den Steinen vorbeiwirbelte, hier rauschte, dort gemächlich mäanderte. Eigentlich. Denn nach der Begegnung mit Pilatus machte mich der Fluss eher nachdenklich. Ich wünschte ihm wirklich, er würde Erlösung finden.

Im Schein der Morgensonne ging ich an der Nied entlang. Die Vögel zwitscherten, als sich der Nebel über den Feldern langsam auflöste. Zu dieser Jahreszeit war die Nied voller Seerosen. An einer Stelle schienen es hunderte zu sein, die in zartem Weiß ihre Blüten zur Sonne streckten. Amalia hatte Seerosen immer geliebt; sie sagte immer, sie erinnerten sie daran, dass man schön und stark zugleich sein kann. Denn mit zarten Farben betörten sie das Auge und hatten doch die Kraft sich immer wieder über Wasser zu halten und das Gewicht anderer zu tragen, sollte es nötig sein.

Zwischen dem Weiß und den dunklen Blättern, die die Farbe noch mehr zum Strahlen bringen, sah ich etwas schimmern. Etwas hellblaues. Keine Verwirbelung im Wasser und auch keine Pflanze in der Farbe, könnte dies ein Fläschchen sein?

Ich nutzte die nächstgelegene Brücke, um den Fluss zu überqueren, krempelte meine Hosenbeine hoch und begann ins Wasser zu waten. Als ich mich vornüber beugte, um besser zu sehen, griffen mich plötzlich zwei Hände und zogen mich hinab. Mein Schrei wurde durch das Wasser weggetragen. Immer tiefer wurde ich gezogen, von Händen und Armen in der Farbe von Seegras. Meine Ohren schmerzten vom Wasserdruck und mein Bewusstsein begann zu schwinden. Mir ging die Luft aus; panisch versuchte ich mich loszureißen, doch die Wassermassen bremsten meine Bewegung und nahmen mir die Kraft. Langsam wurde mein Sichtfeld immer kleiner, es wurde schwarz, meine Lunge brannte. Ich musste dagegen ankämpfen. In letzter Sekunde biss ich in den Arm der meine Schulter festhielt. Schlagartig ließ mich die Kreatur los. Gegen die Zeit, gegen die Atemnot und gegen meine schwindenden Kräfte schwamm ich in Richtung Sonnenlicht. Luft! Bloß einen Atemzug Luft! Das war mein sehnlichster Wunsch. So durfte es nicht enden. Ich würde Amalia wiederfinden, nichts könnte mich aufhalten. Mit letzter Kraft erreichte ich die Wasseroberfläche. Ein tiefer Atemzug, oh Gott, panisch krabbelte ich ans Ufer. Hinter mir schossen die gleichen Hände hoch, aus denen ich mich eben freigekämpft hatte, und ich rutschte weiter vom Ufer weg. Doch als die Sonnenstrahlen die Hände berührten, wurde ihr grässliches Grün zu einem zarten Hautton. Völlig schockiert sah ich, wie sich nach den Armen ein Kopf aus dem Wasser erhob. Es war der Kopf einer bildhübschen jungen Frau, die ihre Arme an ihre Seiten fallen ließ und mich aus dem Wasser ansah. Die Seerosen bedeckten ihre Schultern und wogten arglos im Wasser, als wüssten sie nicht, was unter ihnen vorgeht.

Die junge Frau lächelte mich einladend an: „Seid gegrüßt, edler Mann! Was führt Euch an diesen schönen Ort?“ Fassungslos starrte ich die Gestalt an. Eben hatte sie mich als Monster hinab zu ziehen versucht und jetzt wollte sie plaudern? Ich schüttelte den Kopf. Eine echte Nixe, aber dann, nach dem, was ich bisher gesehen habe, konnte ich das auch noch glauben.

„Sprecht ihr nicht, edler Mann? Vielleicht kann ich euch etwas Gutes tun? Begehrt ihr Reichtum? Ihr habt Glück, mich getroffen zu haben.“

„Seid gegrüßt, junge Frau. Ein edler Mann bin ich nicht, und auch mit Reichtum könnt ihr mir keinen Gefallen tun. Es ist etwas ganz anderes, das ich suche.“ Für ein Gespräch mit jemandem, der mich zuvor umbringen wollte, fand ich mich überragend charmant.

Die Nixe tat weiter so, als wäre das nie passiert. „Etwas anderes? Oh, ich habe alles, was Ihr euch wünscht in meinem Reich. Gebt mir eure Hand und kommt mit mir. Ihr könnt euch aussuchen, was ihr wollt!“ Sie schwamm in meine Richtung.

„Oh nein, es ist einfacher: ich will nur das kleine blaue Fläschchen, das ich am Grund des Flusses schimmern sehe; man sieht es von hier oben.“ Ich schob mich weiter vom Ufer weg.

Ihr Lächeln veränderte sich kein bisschen, doch ihre Stimme wurde ungeduldig. „Ach, was wollt Ihr mit einem kleinen Fläschchen, wenn Ihr doch Gold haben könnt? Reicht mir nur eure Hand und Ihr könnt alles haben.“ Sie streckte mir ihre Hand entgegen. Es war die, die ich nicht gebissen hatte.

„Das ist überaus freundlich von Euch, aber ich möchte nur dieses Fläschchen, das ist alles.“

Mit einem Platschen traf die ausgestreckte Hand auf das Wasser. Auch ihre Miene verfinsterte sich zunehmend. Angestrengt freundlich presste sie die Worte aus ihren Zähnen: „Nein, so machen wir das nicht. Was mir gehört, gehört mir solange bis es jemand für sich beansprucht. Dazu müsst Ihr mit mir kommen. Es tut mir leid, aber so ist der Brauch.“ Es tat ihr nicht leid, eindeutig nicht.

„Schöne Frau, lasst uns verhandeln. Eine schlaue Dame wie Ihr seid doch einem Tausch nicht abgeneigt, oder?“

Ihre Miene erhellte sich wieder. Weibliche Unterwassermonster waren scheinbar empfänglich für Schmeicheleien. „Ich tausche gerne, aber nicht dieses Fläschchen. Ein guter Mann würde kommen und die Frau lieben, die es versteckt hat, das habe ich gelesen. Das Fläschchen gehört mir, ich habe es versteckt, also bekomme ich die Liebe des Mannes.“ Sie nickte entschlossen. „Der Mann seid Ihr, bleibt doch bei mir, ich bin jung und schön und werde es immer bleiben! Was wollt ihr mehr?“

Luft zum einen, dachte ich, und eine Partnerin, die nicht grün wird, wenn das Licht schwindet. Natürlich sprach ich das nicht laut aus.

Ich wusste, Nixen oder Undinen waren seelenlos bis jemand sie heiratete. Nicht gerade das Bild einer Frau, das ich befürwortete, aber so war die Legende. Ich musste ihr also eine Gelegenheit geben, eine Seele zu bekommen. In der Alchemie gilt Gold als das Metall der Seele, was erklären könnte, warum sie so viel davon hortete. Nur, was würde ich ihr anbieten können? Wie schuf man eine Seele? Dann hatte ich eine Idee.

„Junge Frau, ich bin Alchemist, ich kenne die Wege der Natur und der Materie. Ich biete euch an, was Ihr euch zutiefst wünscht – eine unsterbliche Seele.“

Ihre Augen wurden groß, aufgeregt kam sie näher. Ich versuchte nicht zurückzuweichen; ich traute ihr immer noch nicht. „Eine Seele? Eine echte? Eure?“ „Nein, und Ihr werdet niemanden dafür brauchen außer Euch selbst. „Als Gegenleistung für dieses Fläschchen?“ „Ja, meine Kunst für dieses Fläschchen.“ Sie nickte aufgeregt. „Ja, das lasst uns vereinbaren…“ „Und uns daran halten“, unterbrach ich sie. „Ich gebe Euch mein Wort und auch gerne die Hand drauf.“ „Euer Wort soll genügen, danke. Ich werde nun Material sammeln für das Ritual. Wenn ich wiederkomme, möchte ich das Fläschchen. Einverstanden?“ Sie nickte erneut und zog sich zurück. Wenn ich wiederkäme, würde ich sie rufen.

Ich sammelte Feuerholz und einige Kräuter. Meine Tasche mit Tränken und Essenzen hatte ich immer bei mir. Auch wenn ich nicht an diesen Zweig der Alchemie glaubte, würde ich der Nixe doch etwas bieten, an das sie glauben konnte.

Als ich wieder am Ufer ankam, war es später Mittag. Ich rief nach der Nixe, und sie streckte ihren Kopf aus dem Wasser. Ich bat sie, mir etwas Gold zu holen und verlangte das Fläschchen. Als sie wieder auftauchte, hielt sie beides in den Händen: „Doch das Fläschchen erst wenn ich sehe, dass es wirkt.“ Sie umklammerte die Nachricht, die ich so dringend lesen wollte.

Ich zündete ein Feuer an und baute zwei Apparaturen auf. In der einen schmolz ich das Gold, in der anderen ließ ich Schwefel verbrennen. Unangenehmer Geruch füllte die stille Mittagsluft. Ich begann der Nixe zu erklären was ich tat, aus welchen Elementen der Kosmos nach der Lehre besteht und wie ich sie verbinden musste, um zu unserem Ziel zu gelangen. Lange dauerte die Prozedur, zum Schluss stoben Funken, und der entstandene Stoff brannte mit blauer Flamme. Eine letzte Bedingung, so sagte ich ihr, müsse sie noch erfüllen, damit die Transformation vollständig würde. Sie müsse etwas Selbstloses tun, etwas aus reinem Herzen und als Gabe der Milde.

Sie überlegte kurz und sagte: „Ich werde keine Seelen mehr zu mir in die Tiefe ziehen. Wer guten Herzens ist, soll von meinem Gold erhalten, wer schlechte Absichten damit hat, soll mich niemals sehen. Wird das reichen, Alchemist?“ „Das wird es!“, bestärkte ich sie. Sie sah mich an, führte ihre Hand zu ihrem Herzen und lächelte. „Ich fühle schon wie es wirkt, da ist nun etwas in mir, ein warmes Gefühl. Ist das die Seele?“ „Ja, und mit jeder guten Tat wirst du sie stärken“, nickte ich. Ihr Lächeln wurde ehrlich warm, als sie mir das Fläschchen gab. „Ich danke Dir.“, sagte sie zum Abschied. Als ich am Feuer niederkniete um die Notiz zu lesen, war sie bereits im Fluss verschwunden.

Mein Liebster,

einige Zeit konnte ich mich nun in der Gegend verstecken und ich hatte wirklich das Gefühl, hier könnte ich bleiben. Doch eines Nachts habe ich wieder dieses schaurige Bellen gehört. Das Trampeln und Fluchen der wilden Jagd, die nur mich will. Ich darf nicht zu lange an einem Ort bleiben, ich werde den Blauberg aufsuchen, dort sollen unendlich lange Stollengänge in den Stein gehauen sein. In diesem Labyrinth bleibe ich hoffentlich vor unseren Gegnern verschont. Ich bin weiterhin tapfer, weil ich weiß, dass Du mich finden wirst. Ich liebe Dich!

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich bin Schnitzeljäger

Parkmöglichkeit: kurz vor Ortseingang Eimersdorf, Niedtalstraße, 66780 Rehlingen-Siersburg

Auf dem Weg in Richtung Eimersdorf gelangt ihr an die Niedmühle (liegt linker Hand). Wenige Meter dahinter überquert ihr die Nied. Jetzt geht es nur ein kleines Stück den Berg hinauf, bis es in einer Rechtskurve kurz vor dem Ortseingang Eimersdorf nach links auf einen kleinen Waldwirtschaftsweg geht. Hier könnt ihr parken. Geht nun auf diesem Schottweg weiter bergab bis sich links von euch eine große Wiese erstreckt. Über diese gelangt ihr direkt an die Nied, wo seinerzeit das Schicksal des Fischers seinen Lauf nahm.

Welche Sportart betreibt der Verein, dessen Hütte am Ende des Weges liegt?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 12 | Unter Tage

Wallerfangen-St. Barbara

Ein Labyrinth von Stollen seit Jahrhunderten in den blanken Stein gehauen. Die Wallerfanger suchten in ihren Bergen nach dem wertvollen Azurit, dem Wallerfanger Blau, das schon die Römer faszinierte. Auch ich machte mich auf meinen wertvollsten Schatz zu finden – meine Amalia. Durch den Stollen Bruss verschaffte ich mir Zugang zum Gewirr der Gänge aus Antike, Mittelalter und Neuzeit. Manchmal kriechend, manchmal robbend schlug ich mich voran. Amalia hätte sich sicherlich dort versteckt wo es abgelegen ist. Es wurde trotz meines Lichtes immer dunkler und kälter, die Feuchtigkeit sammelte sich an den Wänden und machte den Sand zu Schlamm. Hier und da hatte ich das Gefühl mir würde der Stollen über dem Kopf zusammenbrechen, ich kämpfte gegen Beklemmung und Kälte. Langsam wurde der Gang wieder höher, und ich konnte aufrecht gehen. Nach einer Biegung kam ich plötzlich in eine Höhle, die sich wie ein großer Schlund öffnete. An der Wand waren Zeichnungen von arbeitenden Menschen. Als ich weiter durch die Höhle wanderte, traf ich auf eine Ader puren Azurits. In königlichem Blau schimmerte sie vor meiner Lampe. Als ich mich herunterbeugte um den Stein näher zu betrachten, hörte ich hinter mir eine Stimme.

„He, Du da, nein, nein!“

Und eine andere Stimme fügte hastig hinzu: „Der gehört uns!“

Ich drehte mich um, konnte jedoch niemanden entdecken. War diese Höhle vielleicht mit Gasen gefüllt oder hatte ich so unter dem Eindruck der Enge gelitten, dass ich jetzt Stimmen hörte?

„Jetzt tut der noch so als gäbe es uns nicht!“

„Der soll nicht meinen, dass er damit davonkäme.“

„Nein, was uns gehört, gehört uns!“

Wieder sah ich mich um. Im Schein meiner Lampe war nichts zu erkennen. Ich stellte sie ab, um mir die Augen zu reiben. Plötzlich ragten vor mir Riesen zur Decke der Höhle. Ich erschrak fürchterlich: „Wer seid ihr und wo seid ihr?“ Die Riesen standen still da. Bis einer sich zu schütteln begann – vor Lachen.

„Schaut euch den an, der versteht es echt nicht. Hallooooo, hier!“

Von unten sah ich ein Licht wackeln, das nicht meins war. Es war eine kleine Laterne und an ihr ein kleines Männchen, wie von blauem Staub bedeckt.

„Hier unten!“ Ich schaute völlig verdutzt.

„Der schnellste bist Du nicht, hm?“, sagte eines der Männchen, die zu dem ersten hinzugekommen waren. Dann lachten sie. Es war so weit, ich sah kleine blaue Männchen – und ich hörte sie…

„Wer bist Du?“

„Ja, sag uns was Du hier machst.“

„Viel wird er nicht machen, er hat nicht einmal was zum Abbauen dabei.“

„Ja, der ist kein Bergmann.“

„Kein Räuber meinst Du!“

In das Wirrwarr der Männchen sprach ich hinein: „Ich bin Clemens du Feu, Alchemist und auf der Suche nach meiner Frau Amalia. Sie hat sich hier versteckt vor sehr langer Zeit. Bitte, könnt ihr mir helfen?“

Langsam hörten die Männchen auf untereinander zu diskutieren. Sie sahen sich an. Und stellten dann die Frage: „Bist Du sicher, dass Du nicht unseren Blaustein willst?“

„Ach hör doch auf, wie soll er den denn abbauen, das ist eine blöde Frage!“ sagte eines der Männchen.

„Er hat sich doch vorgestellt!“

„Ja, aber wenn er lügt, ich sag‘s ja nur.“

„Der sieht nicht aus, als könnte er Stein hauen, seine Arme sind viel zu dünn.“

„Ach ja, seit wann bist du Experte für dünne Arme?“

„Na ich kann …“

„HALT!“, donnerte ich in die Runde. „Die Herren, ich will euch nichts nehmen, ich suche nur meine Frau, könnt ihr mir helfen?“

Wieder Schweigen, wieder Grübeln. „Uh, der sucht die Barbara!“

Ein erfürchtiges Raunen ging durch die inzwischen fast elf Blaumännchen „Oh ja, die, oohhh.“

„Nein, meine Frau heißt Amalia.“

„Ja, die die uns beschützt hat vor dem Teufel.“

„Dem Geist!“

„Ja, dem grausamen Dämon.“

„Und wie der gepoltert hat, ich hatte solche Angst!“

„Und hübsch war die!“

„Oh und schlau, meine Güte!“

„MEINE HERREN!“ hakte ich wieder ins Gespräch. „Was?“ fragte ich fast verzweifelt, „ich verstehe kein Wort.“

„Der Teufel mit seinen Pferden…“

„Und den grausigen Reitern…“

„Und den Hunden, ich habe so Angst vor Hunden…“

„Vor Höllenhunden!“

„Ja, mit roten Augen…“

Ich hielt eine Hand hoch, mit skeptischem Blick verstummte einer nach dem anderen. „Von Anfang an bitte, für die, die nicht dabei waren.“ Das Männchen mit der Lampe räusperte sich. Als es zum Sprechen ansetzte, ging es von vorne los:

„Vor sehr sehr …“

„Sehr sehr…“

„Ich glaube er hat es verstanden!“

„Naja, vor langer Zeit kam diese Frau zu uns.“

„Die Hübsche!“

„Ja, die war hübsch und kam zu uns…“

„Und schlau!“

„Dazu komme ich noch!“

„ICH habe die Lampe, ICH rede, klar?“ Ein wenig enthusiastisches „klar“ ging durch die Menge.

„Also! Sie kam zu uns und erzählte uns ihre Geschichte. Sie war sehr nett und half uns. und da haben wir beschlossen ihr zu helfen. Sie erzählte uns von dem Maldix und dass er nun gestorben war. Aber sie fühlte sich nicht sicher –“ Ein Männchen mit Harke wollte grade reinreden, als der Blick des Lampenträgers ihn dazu brachte es nicht zu tun. „Sie sagte, sein Geist sei noch unterwegs. Und sie sollte Recht haben. Eines Nachts hörten wir Geräusche wie einen Sturm, einige von uns gingen heraus, um zu schauen was los ist. Es hat geblitzt und gedonnert…“

Ganz leise flüsterte einer „Ich hasse Blitze!“ Doch der mit der Lampe ließ sich nicht beirren.

„Und der Regen hat gepeitscht, wir hatten Angst, der Stollen würde geflutet werden, so stark war der Regen. Und dann hörte man das Jaulen und Bellen von Hunden, nur viel gruseliger, und wir hörten Schritte. Wir haben uns versteckt, und auch die Frau hat sich Deckung gesucht.“

Ernst nickten sie alle, sie hatten damals wohl große Angst gehabt.

„Da war er dann, der große Maldix. Gekleidet wie ein Jäger, mit Waffe und Hunden an seiner Seite. Hinter ihm seine Leute, grausige Gestalten. Sie waren alle bleich, und ihre Augen glühten vor Hass –“

„In Rot!“

„Danke, Wilbert. Ja, sie glühten ganz rot. Er polterte, er wisse, dass sie hier drin wäre und dass sie ihm nicht entkommen könne. Wir haben sehr gezittert, weil wir so um sie besorgt waren –“

„Ja, sonst zittern wir nicht!“

„Nein, nie!“ Und sie schüttelten alle entschieden ihren Kopf. Ich lächelte.

„Dann sagte er, wenn sie nicht rauskäme, würde er die Höhle ausräuchern, mit allem was drin sei. Das war schlimm. Die Frau trat aus ihrem Versteck und ging auf den Maldix zu, sie stellte sich genau vor ihn. In seinen Augen schimmerte sowas wie Triumph, und er grinste ganz höhnisch. Da grinste sie zurück, schaute ihm tief in die Augen und sagte: ‚Ich habe keine Angst vor Dir!‘ Da ist ihm sein Grinsen aber aus dem Gesicht gefallen, das kann ich Dir sagen.“

Die Männchen begannen zu lachen. „Sie stand da vor ihm und war viel kleiner als er, und trotzdem sah sie ihn an und sagte, sie würde sich nicht fürchten. Er könne jetzt gehen hat sie gesagt, er hätte keinen Einfluss auf sie. Seine Männer sind ganz still geworden, sogar die Hunde haben aufgehört zu knurren. Lange passierte gar nichts, sie schauten sich nur an, der Maldix und Deine Frau. Und dann nimmt er sein Gewehr und richtet es auf sie. Und sie bleibt stehen und lächelt. Er hat sie gewarnt, und sie blieb standhaft. Da hat er abgedrückt, und es hat furchtbar geknallt – “

„Ja, wie Donner!“

„Ich hasse Donner!“

„Das hast Du schon gesagt!“

„Unterbrecht ihn nicht ständig, weiter!“

„Also weiter. Ja, es knallt, doch die Kugel verpufft und sie steht unversehrt da. Da ist ihr Lächeln noch größer geworden. ‚Deine Macht ist die Furcht, aber ich fürchte mich nicht. Meine Macht ist die Hoffnung. Du verlierst Maldix! Du kannst mir nichts. Denen, die hoffen, kannst Du nichts anhaben. Licht ist immer Stärker als Dunkelheit.‘ Da haben seine Hunde gejault und seine Männer das Gesicht verzogen wie im Schmerz. Er ist blasser geworden und mit einem Schlag –“

„PENG!“

„War das jetzt notwendig?“

„Ich dachte, das untermalt die Geschichte?“

„Oh Wilbert…“

„Und mit einem Schlag waren sie weg, wie aufgelöst, puff, zack, weg! Und der Spuk war vorbei.“

Verdutzt schaute ich in die Runde. Wieder nickten sie alle.

„Seitdem wissen wir, dass wir niemals aufgeben dürfen, denn das macht uns stark. So hat sie uns beschützt und ihr Wissen weitergegeben. Und weil die Heilige Barbara eben die ist, die die Bergleute beschützt, also uns, muss sie Barbara gewesen sein.“ Alle nickten sehr nachdrücklich. Ihr Blick verriet mir, dass sie glaubten, ich müsse nicht richtig bei Trost sein um die Logik dahinter nicht zu sehen.

„Und sie sagte uns, dass ein Mann sie suchen würde und dann gab sie uns eine Flasche. Wir führen Dich hin.“

Der mit der Laterne sprang von dem Stein, auf dem er gestanden hatte, und lief eilig über die Azuritader in Richtung Dunkelheit. Die anderen folgten ihm. „Komm schon!“, riefen sie und ich folgte.

Fast glaubte ich sie verloren zu haben, da kamen sie zum Stehen. Ehrfürchtig aufgereiht standen sie vor einer Nische. Darin ein Fläschchen. „Du würdest ihre Nachricht lesen, wir haben sie für Dich aufbewahrt!“ erklärten sie mir stolz. Ich bedankte mich, nahm die Nachricht aus dem Fläschchen und las:

Mein Liebster,

es ist mir gelungen den Fluch von uns zu nehmen. Der Maldix ist tot, doch auch als Geist kann er uns nun nicht mehr schaden. Ich habe meine Hoffnung gegen seine Furcht gestellt und gesiegt. Er kann nur die heimsuchen, die der Angst erliegen und die das Gute aufgeben. Doch habe ich so vieles erlebt, dass ich immer wieder an die Natur der Wesen um mich glauben kann. Die mildtätige Oranna, der mutige Müller, der kluge Herrmann vom Litermont, die tüchtigen Bergmännchen und die vielen anderen, die ich auf meiner Reise getroffen habe – sie alle haben bewiesen, dass die Güte in ihren Herzen die Dunkelheit bekämpfen kann. Unsere Aufgabe in diesem Leben ist es einander Hoffnung zu schenken und gemeinsam weiterzugehen. Wir sind wen wir treffen und was wir daraus machen. Ich kann es kaum noch erwarten Deine Geschichte zu hören. Jetzt wo der Fluch gebannt ist, werde ich in der Kreisstadt auf Dich warten.

Nicht mehr weit, nicht mehr lange, dann sind wir wieder zusammen. Ich liebe Dich!

Dein für immer und für immer für uns

Amalia

Ich bin Schnitzeljäger

Parkplatz: Dorfgemeinschaftshaus St. Barbara, Schlossbergstraße, 66798 Wallerfangen-St. Barbara

Vom Parkplatz am Dorfgemeinschaftshaus St. Barbara bewegt ihr euch in Richtung Hauptstraße und folgt der Beschilderung „Emilianusstollen“. Auf einem kleinen Pfad gelangt ihr zum Eingang des Stollens.

Wie lautet die Buchstabenfolge der letzten Zeile der linken Tafel rechts oberhalb des Stolleneingangs?

Ich bin Geocacher

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Kapitel 13 | Für immer für uns

Saarlouis

Je näher man seinem Ziel kommt, desto langsamer scheint die Zeit zu vergehen. Tausende Monate, hunderte Jahre, unerbittliche Ewigkeiten. Und sie alle haben mich an diesen Ort geführt.

Wer hätte gedacht, dass das Ende des Sehnens in einem kleinen Garten liegt?

Die Sonne strahlt auf die Stadt des Sonnenkönigs, wärmt den Sandstein und lässt die Blumen duften. Menschen gehen ihres Weges, nichtsahnend von den vielen Geheimnissen, die um sie herum existieren. Gesprächsfetzen dringen an mein Ohr, hier mal ein Raunen, dort ein Lachen. All diese Menschen, sie wissen nichts von dem Augenblick der Unendlichkeit, der sich zwischen ihren Zellen versteckt. Sie haben keine Vorstellung von Zeit wie ich sie erfahren habe. Doch träumen und streben sie wie ich, hoffen und fürchten sich, trösten und lieben einander. Wer braucht schon die Ewigkeit, wenn er das Jetzt nutzt? Ich muss lächeln, während ich zwischen ihnen durch die Straßen eile, nicht mehr weit bis zu meinem Ziel.

Ich sehe es – so nah – und nichts hält mich mehr. Ich laufe los und halte erst direkt vor dem offenen Tor.

Vorsichtig schreite ich durch das große gusseiserne Tor. Vor mir windet sich ein klarer Weg, die dunklen Pflastersteine wie poliert von unzähligen Füßen, die bereits über sie gegangen sind. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich sehne mich so sehr danach mein Ziel zu erreichen, meine Liebe wieder in meine Arme schließen zu können. Zeit spielt keine Rolle mehr, als ich den schweren Griff der hölzernen Tür betätige. Sein dumpfes, bleiernes, fast behäbiges Klopfen hallt mir entgegen. Sie würde es hören, mich hören, und sie würde endlich wieder bei mir sein. So wie ich hat sie jeden einzelnen Tag gewartet. Ich bin in ihren Fußstapfen gefolgt, habe die Menschen getroffen, die sie getroffen hat. Habe Abenteuer, Alpträume und Magie hinter mir gelassen. All die Wesen, die mir halfen, die Menschen, die mich jagten und die Wunder, die ich erlebte, verschmelzen zu einer einzigen Erinnerung: der Erinnerung einer Reise zu dem größten Ziel, das ich mir vorstellen kann: Eine Reise zur Liebe.

Ich höre Schritte.

Die Tür öffnet sich, und in diesem Moment frage ich mich wie sich eine so massive Tür nur so leicht öffnen lassen kann.

Und während sich mein Verstand noch fragt wieso ich mich so etwas Unwichtiges frage, hat mein Körper schon die Kontrolle übernommen und meine Amalia in seinen Armen.

Ihr Lachen – unser Versprechen – ich halte sie fest, wir haben einander wieder. Endlich, ewig und ­für immer für uns.

Ich bin Schnitzeljäger

Kostenlose Parkmöglichkeiten: Parkstreifen am Theater am Ring, Kaiser-Friedrich-Ring, 66740 Saarlouis oder Professor-Notton-Str.

Begebt euch zum Landratsamt Saarlouis. Im Vorgarten des Kreisständehauses reist ihr durch die Zeit und lasst 200 Jahre Revue passieren.

Ihr sollt einen bestimmten „Meilenstein“ suchen. Er zeigt ein großes Gebäude, in dem sich viele Menschen an der Hand halten. Über dem Haus thront eine Krone. Welches Ereignis stellt dieser Stein dar?
Tipp: Wir suchen nach einem Gremium.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt alle Antworten gesammelt. Begebt euch nun zum Großen Markt und sucht folgendes Logo:

LogoRendezvousSaarlouis-RZ_RGB_300dpi

Tretet ein, legt euren vollständigen Lösungsschlüssel vor und erhaltet eure Trophäe. :-)

Mo – Fr: 10 – 18 Uhr
Sa: 10 – 15 Uhr

Ich bin Geocacher

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Schluss

Am Ende sind wir vielleicht doch mehr als nur die Zellen. Mehr als die Zellen aus denen wir bestehen, mehr als die Zeit, die wir hier verbringen, mehr als unser Streben, Bangen und Hoffen. Das, was wir aus unseren Zellen schaffen, überragt seine Grundlage. Es ist das Dazwischen, das uns ausmacht, das, was wir diese Zellen tun lassen, bestimmt wer wir sind. Wir sind wie wir handeln, egal für wen, egal wo, egal wann.

Biologisch ist es nicht viel, was uns unterscheidet. Ein winziger Bruchteil eines Minimums bestimmt Haarfarbe und Größe der Nase, der historische Zufall, wo sich diese Zellen zu unserem Selbst manifestieren. Vielleicht sind wir nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Ansammlung dieser kleinen, eigenen Wunderwerke in einem unendlich großen kosmischen Gefüge.

Den Unterschied macht, wie wir die Zwischenräume zwischen unseren Zellen füllen. Ob wir Gutes und Gerechtes oder Niedertracht und Zorn als Füllmaterial nutzen. Die Zwischenräume sind das Entscheidende. Genau die zwischen unseren Zellen, die zwischen den Begegnungen, die wir erleben, die zwischen den Entscheidungen, die wir treffen. Und wie wir sie jedes Mal von Neuem füllen – mit Güte. Aber vielleicht ist genau das unsere Verantwortung.

Mit Güte – Clemens du Feu
(Gefährte, Alchemist, 100 Billionen Zellen und der Raum dazwischen.)